„Unheard Stories – Die Stimme der Jugend“: Ein Konzert von Jugendlichen für Jugendliche

Ein Konzert über Träume, Ängste, Hoffnungen und mit einer klaren Botschaft: Hört uns! Denn wir sind die heranwachsende Generation.

Im Rahmen ihres selbst gegründeten Labels „Earl Records“ erarbeiten die Anfang 20-jährigen Berliner Lucas Gäbel-Weiss, Laura Münch und Max Vaid zusammen mit Jugendlichen aus Berlin über mehrere Monate hinweg eigenständig Songs mit persönlichen Anliegen und Botschaften: „Unheard Stories“. Musikalische Unterstützung erhielten sie von dem Kinderchor und Jungen Chor der Deutschen Oper Berlin, geleitet von Christian Lindhorst, Rosemarie Artzt und Niklas Wagner.

Unheard Stories - Das Konzert in der Deutschen Oper
„Unheard Stories“ – Das Konzert in der Deutschen Oper

„Als wir jünger waren, gab es nicht wirklich die Möglichkeit mit anderen Leuten in unserem Alter Musik zu machen. Wir wollten jungen Menschen kreativen Freiraum geben, um aus sich herauszukommen.“   

Laura/RAYNE, Sängerin bei Earl Records

Songs über Ängste, Träume, Zweifel und Wünsche junger Menschen

Tobender Applaus breitet sich im großen Saal der Deutschen Oper Berlin aus. Ein Jahr lang harte Arbeit liegen jetzt hinter den jungen Musikschaffenden des Berliner Nachwuchs-Labels „Earl Records“. Sie selbst sind erst Anfang 20 und hatten das Gefühl, als junge Menschen von der Gesellschaft nicht vollständig gehört zu werden. Das wollten sie ändern und die Stimmen der Kinder und Jugendlichen sichtbar machen. Max Vaid (20) ist der Initiator dieser großen Show und trat neben dem Erstellen von Förderanträgen und den allgemeinen Organisationen auch in den Dialog mit dem Jungen Chor der Deutschen Oper Berlin, die die Songs der Jugendlichen musikalisch begleiten.

Unheard Stories - Ein Konzert von Jugendlichen für jugendliche
Die Künstler:innen von „Unheard Stories“ auf der Bühne

Mit unserem Projekt wollten wir Jugendlichen die Chance geben, selbst aus sich herauszukommen. Solche Möglichkeiten sollte es mehr geben. Weil wenn das nicht getan wird: Das ist die nächste Generation! Wenn diese nicht ausreichend gehört wird, wo bleiben wir dann?

Max Vaid, Initiator „Unheard Stories“

„Ihre Geschichten berührten uns zutiefst“

Im Sommer 2021 trafen sich 25 Jugendliche aus ganz Berlin zu regelmäßigen Musikworkshops und erarbeiteten ihre eigenen Songs mit persönlichen Anliegen, die abschließend in der Deutschen Oper Berlin aufgeführt wurden. Die gerade einmal Anfang 20-jährigen Musikschaffenden und Labelgründer von „Earl Records“ Lucas, Laura und Max, riefen dieses Projekt ins Leben und betreuten dies von der ersten Idee bis hin zu der fertigen Musikshow „Unheard Stories“. Sie wollten der jungen Generation in Form von Musikbeiträgen Gehör verschaffen.

Unheard Stories - Workshop
„Unheard Stories“ – Workshop

Alles begann mit der Gründung des Musiklabels „Earl Records“

Max und Lucas, die sich aus der Schule kennen, beschlossen vor knapp 3 ½ Jahren ihr eigenes Label zu gründen. Der talentierte Sänger Lucas, der mit seinem Bruder Spencer zusammen ein Hiphop Duo in der 7. Klasse gründete, faszinierte Max schon damals mit seiner coolen Art. Denn er hörte über all diejenigen hinweg, die meinten: „Daraus wird nichts!“ und machte einfach sein Ding. Später schloss sich Sängerin Laura, bekannt als RAYNE, dem jungen Musikkollektiv an. Die Proben fanden anfangs immer zu Hause in Lucas Zimmer statt, in welchem sie sich eine kleine Telefonzelle bauten, um darin Songs aufzunehmen. Vor etwa 1 ½ Jahren zogen sie dann in ihr geräumiges Studio nach Moabit um, welches ihnen vom Jugend-Kiez-Club „K3“ zur Verfügung gestellt wird.

Gerade in den letzten zwei Jahren, in denen wir Lockdowns hatten, hatten wir so das Glück, dass wir unser Studio hatten und jeden Tag Musik machen konnten. Wir redeten über alles, was uns beschäftigte. Doch dann, wenn man aus dem Studio herausgegangen ist und andere gesehen hat, dann hat man plötzlich realisiert, dass nicht jeder so ein Privileg hat. Wir wollten unser Privileg auch anderen ermöglichen und ich glaube, das haben wir ganz gut mit dem Projekt geschafft.

Lucas Gäbel-Weiss – Produzent/Sänger bei Earl Records

Über „Unheard Stories“ – Ein Interview mit Initiator Max Vaid

Wie kam es zu der Idee „Unheard Stories“?

Max: Wir arbeiten mit dem K3, dem Kiez Club, zusammen und sie hatten uns vorgeschlagen, mal einen Song mit Jugendlichen aufzunehmen. Wir besorgten etwas Equipment, denn wir wollten den Jugendlichen die Chance geben ihre eigene Musik zu machen. Anfangs war die Idee erstmal mit vier bis fünf Jugendlichen im Kleinen, vielleicht 2-3 Tage Musik zu machen. Für dieses Projekt konnten wir Partner gewinnen, die uns bei der Realisierung unterstützen. Das Ganze kam dann so gut an, dass sie uns motivierten, das Projekt auszubauen und größer aufzuziehen.

Das ist dann letztendlich auch passiert. Über einen Anmeldelink konnten sich Jugendliche aus ganz Berlin bei uns anmelden, worüber 25 Jugendliche zusammenkamen –von ihnen kannten wir nur zwei persönlich. In diesem Sommer haben wir dann angefangen drei Wochen lang intensiv Workshops mit drei Workshop Gruppen jeden Tag durchzuführen.  Das spannende war, dass es ja für uns komplett neue Gesichter waren, die auch alle aus ganz unterschiedlichen familiären Verhältnissen und sozialen Hintergründen zu uns kamen.

Die Jugendlichen öffneten sich uns gegenüber total und sprachen frei über das, was sie beschäftigt. Dazu gehörten Themen wie Traumata, ja sogar Essstörungen. Ich meine, dass muss man sich auch erstmal trauen in einer Gruppe von Leuten, die du vor zwei Tagen erst kennengelernt hast, dich vollständig zu öffnen, dann darüber einen Song zu schreiben und diesen schließlich auf der Hauptbühne der Deutschen Oper Berlin zu präsentieren – Also das erfordert eindeutig Mut! Und das ist ja nur einer dieser Songs, es gibt ja noch mehr: Es geht um Ängste, Träume, Zweifel oder Wünsche, die die Jugendlichen haben. Und dass dann alle zusammenkamen, sich verstanden und gemeinsam an einem Strang gezogen haben, hat uns sehr berührt.

Unheard Stories - Workshop für Jugendliche
Workshopgruppe bei „Unheard Stories“

Wie lange habt ihr für das Einstudieren der Show gebraucht?

Max: Ich wollte von Anfang an, nachdem die Workshops gelaufen sind, ein Konzert machen, denn die Stimme der Jugend sollte gehört werden. Wir hatten das Gefühl, dass es Projekte solcher Art nicht viele gibt, die über den musikalischen Ansatz an solch wichtige Themen der jungen Generation herantreten. Der Chor der Deutschen Oper Berlin war an Board, die Songs wurden langsam fertig…doch wir bekamen einfach keine Open-Air Bühnen organisiert. Auf einmal dann aber ein kleines Wunder: die Deutschen Oper kam auf mich zu und fragte, wieso wir das Konzert nicht auf der Hauptbühne aufführen wollen? Da sind wird dann natürlich sofort an Board gesprungen, weil das ist einfach großartig!

Das Ganze ist dann von einer einfachen Open-Air Veranstaltung mit ein bisschen Licht und einfach nur Gesang zu einer riesen Show geworden, mit Animationen im Hintergrund, teilweise sogar Lichtshows und Weiterem. Das hat dann auch unsere Erwartung nochmal ziemlich gesprengt. Und jetzt sind wir alle echt glücklich, dass wir das gemacht haben.

Wie habt ihr euch den Aufbau dieser Show überlegt?

Max: Von Anfang an war die Idee, dass der Chor vor unseren Songs ein paar Stücke aufführt und wir dann unser Album präsentieren. Nachdem die Deutsche Oper meinte, sie macht das mit uns, arbeiteten wir mit dem ganzen Haus zusammen: mit der Marketingabteilung, der Spielleitung, einer Regie für den ganzen Abend, Ton und noch weiteres –also sozusagen hat das gesamte Opernhaus für diesen einen Tag mit uns zusammengearbeitet. Das Tolle ist, dass wir unsere Ideen relativ frei umsetzen konnten. Es war alles im Einklang.

Die Proben fanden zweimal die Woche, später dann dreimal die Woche statt. Wir haben die Jugendlichen einzeln hier zu uns ins Studio eingeladen und mit ihnen ihre Songs geübt. Später bildeten wir Grüppchen für jeden einzelnen unserer 10 Songs. In diesem Zusammenhang haben wir vor allem an der Bühnenpräsenz gearbeitet. Von der Tonlage der Jugendlichen her war nicht viel zu machen, die waren alle super talentiert. Es ging uns in erster Linie darum, dass sie präsent da sind, das bedeutet, dass sie die Zuschauer ansprechen, dass sie Blickkontakt mit dem Publikum halten, dass sie sie in den Bann ziehen und dann mit auf die Bühne holen.

Weil die meisten dieser Jugendlichen sind noch nie auf so einer großen Bühne aufgetreten und wir wollten natürlich auch, dass es eine coole Show wird. Lucas und Laura haben alle Lyrics mitgelernt, sodass, wenn etwas hätte schieflaufen sollen, sie als Backup direkt auf die Bühne dazugekommen wären. Das ist nicht passiert, aber wir haben probiert den Kids Sicherheit zu geben, wo einfach Sicherheit da ist.

Hast du eine Message, die du noch loswerden willst?

Max: Ich habe bei einem Song mitgearbeitet der heißt: „How can my dreams become true?“. Diesen Song hat Nelly in den Workshops der zweiten Woche geschrieben. Ich fand den Sound super und dachte mir: Den muss ein Chor begleiten. Daraufhin habe ich die Lyrics für den Chor geschrieben: „When I wake up“ und dann hat Lucas folgendes ergänzt: „…where the dreams go“ -also „Was passiert, wenn ich aufwache? Wohin fliegen dann meine Träume?“ Und Nelly singt darüber die ganze Zeit: „No dreams, no dreams…“

Das ist eigentlich ein ziemlich harter Song mit einer schwierigen Message. Es geht im Grunde genommen darum, dass deine Träume nicht wahr werden. Ich glaube aber mit diesem im Hinterkopf, sollte man es Jugendlichen leichter machen an ihre Träume zu glauben. Man sollte ihnen nicht sagen, dass ihre Träume nicht wahr werden können, man sollte ihnen stattdessen die Plattform bieten, dass sie gehört werden können und ihre Träume verwirklichen und präsentieren können. Jugendliche haben keine Lobby oder irgendwas. Jugendliche sind quasi auf sich allein gestellt. Auch ich zähl mich eigentlich dazu. Und ich denke mir, es ist schwierig für Jugendliche so einen Zusammenhalt zu finden -ein Projekt wie unseres ist vielleicht ein guter Weg dazu. Aber ich finde auch von Seiten von Erwachsenen oder Schlüsselpositionen sollte da auf jeden Fall mehr getan werden, damit Projekte wie diese realisiert werden können und auch stärker in den gesellschaftlichen Fokus rücken.

Man sollte es Jugendlichen leichter machen, an ihre Träume zu glauben!

Max Vaid, 20 Jahre

Text: Jil Wende, Bilder; Jil Wende, „Unheard Stories“

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