Zukunft in der Stadt: Was ist eure Vision für Berlin?

Sep 29, 2021
Fernsehturm spiegelt sich in Scheibe

Wie könnte ein zukünftiges Berlin aussehen? Wir haben unsere Community nach ihrer Vision für Berlin gefragt. Was genau sie sich vorstellen, erfahrt ihr hier.

Es ist Mitte September 2021 in Berlin, in wenigen Tagen wird gleich dreifach in der Hauptstadt gewählt. Während der Vorbereitungen unserer Wahlsendung, stellen wir uns immer wieder eine Frage: Wie geht es nach der Wahl in der Hauptstadt weiter? Was wird sich verändern, was sollte sich verändern? Damit Berlin auch in 10, 20 und 50 Jahren noch ein Ort ist, den viele unterschiedliche Menschen liebend gern als ihre Wahlheimat bezeichnen, muss die Stadt neu gedacht werden. Doch was sind konkret die Hoffnungen und Wünsche der Berliner*innen? Oder besser: Was ist ihre Version für Berlin?

Diese Frage haben wir direkt an unsere ALEX Community weitergeleitet. Die Antworten, die wir von Radiomacher*innen, Produzierenden, Kooperationspartner*innen und Menschen aus dem ALEX-Umfeld bekommen haben, sind – genau wie die Menschen selbst – sehr divers. Sie beziehen sich auf Themen wie Klimawandel, den Berliner Wohnungsmarkt, Kulturförderungen und dem Wunsch, nach einem sozialeren Berlin. Wir stellen die Zukunftsvisionen und die Visionär*innen vor.

„Ein soziales und kulturelles Berlin zum Hierbleiben, bitte!“

Vanessa Sonnenfroh und Lennie Gottberg wünschen sich unter anderem ein „linksgrünversifftes“ Berlin. Die beiden gestalten die Sonntag-Abende im Radio bei ALEX mit Talks zu gesellschaftlichen Themen und jeder Menge Musik in ihrer Show „Pflanzen und Blumen“.

„Unsere Vision für Berlin: Ein linksgrünversifftes, inklusives, soziales, bezahlbares, musikalisches, kulturelles, offenes, buntes, freies und Covid-geimpftes Berlin!“

– Vanessa & Lennie – Musiker*innen & Radioproduzierende

Ähnliche Vorstellungen hat auch Singer und Songwriter Mabloni: Der in Berlin lebende Künstler, der vor allem herzerwärmende, genreübergreifende Akustik-Songs in Richtung Folk, Blues und Country schreibt, wünscht sich in erster Linie eine sozialere Stadt:

„Meine Vision für Berlin ist eigentlich eine Vision für die ganze Welt nur in klein. […] Alles muss radikal sozialer werden. Und mit sowas wie dem Mietendeckel ist man da schon mal in die richtige Richtung gegangen. […] Ein bedingungsloses Grundeinkommen halte ich auch für eine gute Idee, sowie mehr Förderung von Kultur, denn davon lebt Berlin ja total. […] Daneben müssen wir auch dafür sorgen, dass unsere Kinder und Enkelkinder in dieser Stadt (und auf diesem Planeten generell) noch leben können. […] Rettet Menschen, rettet Tiere, rettet den Planeten und verbannt endlich diese furchtbaren SUVs, bzw. alle Autos aus Berlins Innenstadt!“

– Mabloni Gribaldi (Singer & Songwriter)

Mabloni im ALEX One Shot

Ein bisschen weniger Autoverkehr würde unserer Hauptstadt sicherlich ganz gut tun, denn (tief Luftholen!) tatsächlich liegt Berlin laut der Europäischen Umweltagentur in Sachen Luftqualität nur auf Platz 219 von 323 untersuchten Städten. Immerhin liegt unser Anteil an Feinstaub noch im moderaten Bereich von 13,1 µm/m³. Aber zurück zu den Visionen unserer Community.

„Mehr Gebärdensprache an den öffentlichen Stellen!“

„FINGERZEIG“ ist die erste Sendung in Deutschland von und für taube Menschen in deutscher Gebärdensprache. In jeder Sendung wird ein anderes Thema behandelt: Inklusion, politische Beteiligung, Comedy oder der Alltag als gehörlose Person stehen im Fokus. Gerade bei letzterem stößt das Team in Berlin immer wieder auf Herausforderungen. Fingerzeig-Moderatorin Elena und das ganze Team wünschen sich daher mehr Teilhabe und Rücksicht auf taube Menschen im öffentlichen Leben:

„Wir Berliner*innen sind so vielfältig und tolerant. Mit uns, tauben Menschen, ist es noch bunter. Was wir uns wünschen? Selbstverständlichkeit für uns und unsere Gebärdensprache! Warum müssen wir uns mit Anträgen um Assistenz, Gebärdensprachdolmetscher und technischen Hilfsmittel plagen? Weg mit Bürokratie bei den Anträgen. Noch mehr Wünsche? Aber gern! Mehr Gebärdensprache an den öffentlichen Stellen! BVG mit Untertiteln! Sichtbare Lichtsignale statt Alarmglocken. Und Gebärdensprache an den Schulen als Unterrichtsfach! Denn Gebärdensprache ist soooo schön.“

– Elena & das Team von Fingerzeig

„Wohnungen müssen für jeden bezahlbar sein“

Mabloni erwähnte in seiner Vision schon den Mietendeckel – dieser wurde wie ihr vielleicht wisst im März 2021 für verfassungswidrig erklärt. Trotzdem sieht es auf dem Berliner Wohnungsmarkt schwierig aus mit bezahlbarem Wohnraum. Letztes Jahr sind wir laut der Investitionsbank Berlin in Mitte bei durchschnittlich 13,70 pro m² angelangt. Ali Hassanpour ist Chefredakteur der Kultursendung Radio Popcorn, eine der ersten Readiosendungen auf persisch in Deutschland. Er wünscht sich folgendes:

„Ich wünsche mir, dass für die Mieter in Berlin und Deutschland was getan wird. Die Wohnungen müssen für jeden bezahlbar sein und zur Verfügung stehen. Wir müssen sozialer auf dieser Weise werden.“

-Ali Hassanpour – Journalist & Radioproduzent

Eine weitere buchstäbliche Baustelle in Berlin ist das Angebot an Sozialwohnungen. Geförderte Mietwohnungen behalten ihren „Sozial-Status“ nur für 20 Jahre. Ein Beispiel zur Veranschaulichung des Problems: 2019 wurden laut einem Artikel der Tagesschau vom 21. Februar 2021 25.000 Sozialwohnungen gebaut. Zugleich haben aber 65.000 Wohnungen ihren Sozial-Status verloren.

„Ich finde Berlin sollte vom Feeling her so bleiben wie wir jetzt sind. Wir haben coole Leute und geile Stimmung. Wir sollten was Obdachlose und Wohnungen angeht definitiv noch was ändern, damit weniger Menschen auf der Straße lebe und mehr Wohnraum vorhanden ist.“

– Florence – Jugendredaktion DIGGA

Laut einer systematischen Zählung im Januar 2020 sind mindestens 1.976 Menschen in Berlin obdachlos. Florence aus dem DIGGA-Team spricht da in ihrer Vision für Berlin ein wichtiges Thema an. DIGGA beschäftigt sich mit allen möglichen wichtigen Themen, die Schüler*innen und Jugendliche beschäftigen. Unter anderem in ihren DIGGA-Talks im Radio, TV und auf YouTube.

„Chancengleichheit für alle Kinder und Jugendlichen“

Mit Jugendarbeit beschäftigt sich auch Lena Luisa Leisten. Sie ist freie Journalistin, Autorin und Produzentin. Bei ihrer Sendung „Jung fragt alt“ haben Jugendliche die Möglichkeit ihre thematischen Anliegen mit Politiker*innen, Wissenschaftler*innen und Ökonomen zu diskutieren. Lena hat eine Vision von mehr Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen.

„Meine Vision wäre eine Politik, die sich für Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen in Berlin stark macht, v.a. durch den gerechten Zugang zu Bildungs- und Kulturangeboten, durch soziale Unterstützungsangebote und Gewaltprävention und durch finanzielle Hilfen, damit kein Kind mehr in Armut aufwachsen muss.“

-Lena Luisa Leisten (Autorin & Produzentin)

Nicht nur die junge ALEX-Community hat eine Vision für Berlin. Auch zwei unserer langjährigen Radioproduzenten haben Wünsche für ein zukünftiges Berlin.

„Nutzung der kulturellen und touristischen Potentiale der Stadt“

Ersterer ist Rolf Gänsrich, der bei ALEX Berlin den Donnerstag Mittag mit seiner Sendung „O.K.Beat“ aufmischt. Neben verschiedenen Themen aus dem Musik-, Politik- und Kunstbereich bietet Rolf Gänsrich in seiner Sendung noch unbekannteren Singer- und Songwritern eine Plattform und hatte schon Poltik-Größen wie Berlins regierenden Bürgermeister Michael Müller zu Gast in seiner Sendung. Außerdem ist er Autor und führt als Stadtführer Touris und Interessierte quer durch Berlin.

„Meine Version für Berlin? Bezahlbarer Wohnraum für alle, massiver Ausbau von U-Bahn und Straßenbahn und Wiederinbetriebnahme der S-Bahn nach Siemensstadt, Ausbau der Radwege, Anschluss der Randbezirke ans Berliner Wassernetz und Kanalisation, freies W-LAN in der ganzen Stadt, gute Bezahlung aller Pflegekräfte und Wiederaufnahme des kompletten Touristik- und Kulturbetriebs in der Stadt mit 2-G-Regelung.“

-Rolf Gänsrich (Autor, Stadtführer & Radioproduzent)

Siggi Trzoß ist ein Urgestein des Radios und sendet Samstag mittags eine Stunde „Kofferradio“ mit Schlagermusik aus dem Osten. Der gebürtige Berliner nahm schon 1963 zum ersten Mal teil an einer Radiosendung. Seitdem legte er eine Karriere als Moderator, Texter, Autor und Sänger hin. Auf seiner Homepage wird er als „Showman der Senioren“ beschrieben. Seine Forderungen an die Politik beziehen sich aber auf eine gutes Leben in der Stadt für alle Generationen:

„Lasst die Berliner*innen mitreden bei der Wohnungspolitik (sie besteht ja vordergründig aus Mietwohnungen), bei der Sicherheit in der Stadt, bei den klimanotwendigen Konzepten, beim politischen und sozialen Berliner Alltag. Erarbeitet eine Konzeption für die Entwicklung eines zukunftsträchtigen Industrie- und Wirtschaftsstandorts Berlin unter gleichzeitiger Nutzung der kulturellen und touristischen Potentiale!“

-Siegfried „Siggi“ Trzoß (Moderator & Schlagertexter)

Und was ist eure Vision für Berlin?

Unsere Community visioniert über ein besseres, sozialeres, inklusiveres, gerechteres Berlin. Wie die künftige Berliner Politik auf die Probleme und Anliegen der Berliner*innen zugehen wird, wird sich in den kommenden fünf Jahren zeigen.

Was ist eure Vision für Berlin? Schreibt uns gerne über unsere Social-Media-Kanäle! Hier kommt ihr zu unserer kleinen Straßenumfrage an der Warschauer Straße via Instagram, wo wir auch nach Visionen für die Hauptstadt gefragt haben.

Text: Cora Schäfer, Titelbild: Lisa Slaby

Comments

Comments are closed.