Von Chansons zu Dream-Noise: Meine Fête de la Musique 2018

Jun 25, 2018
Eine Menschenmenge vorm Mini-Eiffelturm im Centre Français de Berlin.

Die Berliner Fête de la Musique 2018 steht erstmal unter keinem guten Wetterstern. Der Tag beginnt stürmisch-nasskalt und kündigt eher den Herbst, als den kalendarischen Sommeranfang an. Aber es soll ja auch nicht das Wetter gefeiert werden, sondern die Musik.

Viva la Musica! Was wären wir ohne sie? Seien wir ehrlich: ein trauriger Haufen. Die Fête de la Musique fand zum ersten Mal 1982 in Paris statt und hat sich seitdem weltweit verbreitet, um Livemusik kostenfrei und im öffentlichen Raum zu zelebrieren. Wer also zu denjenigen gehört, die entweder nicht genug Kohle für Konzerttickets haben oder Konzerttermine erst wahrnehmen, wenn sie schon wieder vorbei sind, dem sei die Fête de la Musique sehr ans Herz gelegt. In Berlin wird das Fest seit 1995 auf zahlreichen Bühnen in der Stadt verteilt gefeiert, ob auf dem Bürgersteig, in Parks, in Spätis oder in Bars.

Ein Hauch Paris im Wedding

Ich beginne meine Tour bei den kulturellen Wurzeln des Festes: im Centre Français de Berlin in Wedding, einem deutsch-französischen Kulturzentrum, das mit einem ganz eigenen Eiffelturm einen Hauch Pariser Flair nach Wedding wehen lässt, und siehe da: Die Sonne kämpft sich durch die Wolkendecke und mit einem zugekniffenen Auge fühlt man sich wirklich wie auf dem Place du Trocadéro, während der Musiker Denis Rivet französische Chansons singt und nebenan die Merguez brutzeln. Musikalisch geht es weiter mit den bluesigen Papa Africa, den Jungs von Berlin Boom Orchestra, die unter anderem mit ihrem Track „Nicht Egal“ klare Parole gegen Rechts bieten und deutsch-französischem Hip Hop von D.A.R.I.O + E.S.I.K. Ich treffe mich im Anschluss mit dem Geschäftsführer des Centre Français Florian Fangmann, der mir ein bisschen mehr über das Programm und die Fête de la Musique in Frankreich erzählt:

Eine Menschenmenge vorm Mini-Eiffelturm im Centre Français de Berlin.

Eine Menschenmenge vorm Mini-Eiffelturm im Centre Français de Berlin.

„Make people Cry- Make people Die“

Es treibt mich schließlich weiter, denn ich will mich von der Vielfalt des musikalischen Angebots überraschen lassen. Nachdem ich leider die Swingmusik im Ballhaus in Mitte verpasse, beschließe ich, mich in einen Bezirk zu begeben, wo ich zwischen den Venues nicht viel Weg hinlegen muss: Neukölln. Vom Hermannplatz aus laufe ich Richtung Weserstrasse und nachdem mein „kurzer“ Stopp beim Sahara-Imbiss länger dauert, als erwartet will ich gegen 22 Uhr schon enttäuscht meinen Heimweg antreten, als- Oh Wunder- genau das passiert, was bei der Fête de la Musique passieren muss: ich stoße ungeplant auf wundervolle Musik. Aus dem Oblomov in der Lenaustrasse erklingen sphärische, träumerische Sounds aus E-Gitarre, Trommel und den sanften Stimmen eines Duos, das vor einem roten Vorhang steht. Der kleine, in gedimmtes Licht getauchte Raum ist voll und wie in Trance versetzt von Medicine Boy, alias André und Lucy aus Südafrika, die ich glücklicherweise noch für ein kurzes und sehr sympathisches Interview treffe. Hier erfahre ich den Grund für ihren besonderen Sound aus harten und sanften Klängen.

Gerade mal seit vier Tagen ist Berlin die neue Wahlheimat von Medicine Boy und mich interessiert, was sie genau hier her getrieben hat und was sie über den Berliner Vibe in der Musikszene denken.

Bye Beneco bei der Fete de La Musique in Neukölln.

Bye Beneco bei der Fete de La Musique in Neukölln.

Medicine Boy hat sich auf jeden Fall meine Aufmerksamkeit erspielt und ich werde mir ihren nächsten Gig in der 8mm Bar am 9. August nicht entgehen lassen. Ihre nächste Europatour steht im Winter an, aber da sie ja jetzt Berliner sind, lohnt es sich sicher nach spontanen Gigs Ausschau zu halten.
Das nächste Konzert im Oblomov ist nicht weniger überzeugend. Bye Beneco, ebenfalls aus Südafrika, bringen einen wunderbar leichtfüßigen und erfrischenden Discosound mit sich, der sich perfekt zum Start in den Tag oder sommerlichen Roadtrips eignet und seinen Platz auf jeden Fall in meine Playlist gemacht hat. Wer sie live erleben will, kann das am 27.06 im Klunkerkranich und am 29.6 in der Kugelbahn in Wedding.




Text & Bild: Schahrzad Zamankhan

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