rp19 und MCB – Tag 2: Medienutopien und Axel Voss in der „Höhle des Löwen“

Mai 7, 2019
Eröffnung der Media Convention.

An Tag 2 der re:publica und Media Convention geht es politisch weiter. EU-Politiker Axel Voss stritt mit Markus Beckedahl über das Urheberrecht. Medienprofessor Bernhard Pörksen forderte ein neues Schulfach.

Die Reform des EU-Urheberrechts hat Hunderttausende auf die Straße getrieben und einen Politiker zum Buhmann der digitalen Öffentlichkeit gemacht: Axel Voss (CDU), der sich jahrelang für die Reform des Artikel 13 einsetzte, wurde als inkompetent an den Pranger gestellt und belächelt. Am Ende stimmten die EU-Abgeordneten für seine Reform. Kein Wunder, dass sich am Dienstagvormittag eine lange Menschenschlange auf der re:publica vor der Stage 2 bildete. Auf der Bühne diskutierten Axel Voss und Markus Beckedahl (Chefredakteur des Portals netzpolitik.org) über das Urheberrecht. Der Moderator bezeichnete den Talk als „Höhle des Löwen“ für Voss.

Trotz Lachen und eindeutiger Alehnung aus dem Publikum blieb Voss seinem Kurs treu: Seine Reform sei alternativlos. „Die Frage dahinter ist, ob man fremdes Eigentum respektiert oder nicht“, sagte er. Auf die Frage von Markus Beckedahl, wie die Umsetzung der EU-Vorgaben auf nationaler Ebene konkret aussehen könnte, antwortete der CDU-Mann, dass die Ausarbeitung nun bei den Ländern liege. Am Ende gab sich Voss versöhnlich: Er sei auf Veranstaltungen wie diesen, um Dialoge zu führen. Beckedahl wünschte sich, dass solche emotionale Debatten, wie über das Urheberrecht, schon früher geführt worden wären.

„Deutschlandpass“ und ein neues Schulfach

Auf der Media Conventionen drehten sich erneut viele Sessions um die Plattformen. In seinem Panel „Beyond Platforms: Ein Neuanfang jenseits von Facebook, YouTube und Co.“ erklärte Betram Gugel, welche Auswege es aus der Abhängigkeit von Google, Facebook und YouTube geben könnte. Dabei stellte er den „Deutschlandpass“ vor, der Medienhäusern dabei helfen soll, mehr Unabhängigkeit zu erlangen. Stichworte waren: Standards statt Plattformen, Protokolle gegen Scheinriesen und Bequemlichkeit. Wie der Deutschlandpass genau funktioniert, könnt ihr hier nachlesen.

Auch Medienprofessor Bernhard Pörksen forderte Veränderungen im Umgang mit Plattformen in seinem Talk „Abschied vom Netzpessimismus. Die Utopie der redaktionellen Gesellschaft“.  Es gebe eine große Lücke bei der Medienkompetenz, die zu einer Unmündigkeit in der Gesellschaft führe. Deswegen forderte er ein neues Schulfach, in dem Schüler*innen Quellen, Fakten und Rethorik in den Medien kennenlernen sollen. Zu einer mündigeren Gesellschaft gehöre aber auch eine Verantwortungen der Plattformen. Sie sollten sich ihrer Aufgabe als Informationslieferant bewusster werden, forderte Pörksen. Für eine Regulierung schlug er die Gründung eines Plattformrates vor. Dieser könnte Entscheidungen, warum zum Beispiel keine Nippel auf Bildern zu sehen sein dürfen, transparenter machen. Ebenso forderte er den Journalismus auf, dialogischer und transparenter zu werden.

Wünsche für eine Medienutopie

Wie können Medien auf den digitalen Wandel reagieren? Darum ging es auf der Media Convention in dem Panel „Von Inselideen zu gemeinsamen Visionen – Eine Medienutopie für Berlin-Brandenburg?“. Auf der Bühne präsentierten ihre Ideen Philipp Hübl (Philosoph), Jan Schulte-Kellinghaus (Programmchef rbb), Sabine Schicketanz (Chefredakteurin PNN) und Rebecca Ahlen (Leiterin des Medieninnovationszentrums Babelsberg, MIZ).

Den Anfang machte Rebecca Ahlen. In den kommenden Monaten wagt das MIZ einen Neuanfang und investiert in Visionen für die Medienlandschaft. Dafür begibt es sich mit einer Ausschreibung auf die Suche nach neuen Ideen für Medien. Du bist auf der Suche nach einer Förderung für dein Projekt in der Medienlandschaft der Zukunft? Dann findest du hier mehr Informationen.

Bei dem Panel wurden auch die Teilnehmer*innen vor Ort gefragt, welche Utopien sie sich für eine Medienlandschaft vorstellen könnten. Neue Ideen waren rar – aber dass bereits Vorhandenes neu gedacht werden müsse beziehungsweise weiterentwickelt werden solle, darüber waren sich die Teilnehmer*innen einig. Die Wünsche zu Verbesserung reichten von schnellerem technologischem Fortschritt in Medienhäusern, über mehr Finanzmittel für Innovationen bis zur Konzentration auf das non-lineare Programm in Sendeanstalten.

Wie entsteht ein Shitstorm?

„Nazis raus“ twitterte vor nicht all zu langer Zeit die ZDF-Journalistin Nicole Diekmann. Darauf folgte ein Shitstorm auf Twitter. Ein Jahr zuvor hatte sie allerdings bereits den gleichen Tweet abgesetzt – ohne eine solche Resonanz. Wie man einen Shitstorm untersucht, erklärte Luca Hammer in seinem Vortrag. Über die Twittersuche bis zu selbstprogrammierten Tools: Wer sich für Datenanalyse interessiert, sollte auf dem Blog von Luca Hammer vorbeigucken.

Comments

Comments are closed.