Regulierung und Flugtaxi: Start der re:publica und Media Convention 2019

Mai 6, 2019
Die re:publica startet.

Über hundert Programmpunkte an drei Tagen: Die re:publica und die Media Convention haben sich viel vorgenommen. Am Montag startete die Digitalkonferenz. ALEX Berlin ist mit vor Ort.

Auf der re:publica und Media Convention geht es in diesem Jahr unter anderem um Künstliche Intelligenz, Plattformregulierung, die Zukunft der Arbeit, Populismus im Netz und die Bedeutung von Online-Debatten. Ziemlich viel, ziemlich schwer. Vielleicht lautet das Motto der diesjährigen republica deshalb: „too long, didnt read.“, und das der Media Convention: „Playing for Keeps: Jetzt wird’s ernst“. Mehr als 600 Veranstaltungen können die Besucher bis Mittwoch besuchen. Auch ALEX Berlin ist vor Ort. Wir übertragen live die Panels der Media Convention auf der Bühne 6 und 7.

Bundespräsidenten Frank-Walter Steinemeier eröffnete die re:publica. Er forderte die sozialen Netzwerke auf, sich ihrer Bedeutung für die Demokratie bewusst zu sein. Wer mit seiner Plattform einen poltitischen Raum schaffe, der trage auch Verantwortung. Mit Steinmeier kam erstmals ein Bundespräsident zur re:publica.

Die Media Convention eröffneten unter anderem die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin, Malu Dreyer und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller. Auch sie fanden kritische Töne. Dreyer sprach sich für eine internationale Digitalsteuer für Unternehmen wie Google und Facebook aus. Man solle nicht akzeptieren, dass Internet-Unternehmen keinen Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens leisten, so Dreyer. Michael Müller forderte mehr Mut beim Thema Digitalisierung.

Birnbaumgeruch passt in kein Gesetz

Während der Bundespräsident noch sprach, lief das Programm der re:publica schon an. Im Eröffnungspanel „Heimat my Ass… Migration is us“ diskutiereten die Journalistin Ferda Ataman, die Wissenschaftlerin Naika Foroutan und der taz-Redakteur Daniel Schulz über den Begriff Heimat. Das der Begriff ausgrenzend sei und nur eine vermeintliche Konstante, darüber waren sich die Teilnehmer*innen einig. Heimat sei gekoppelt an ein Gefühl, einen Beziehungszusammenhang oder an einen Ort und damit für eine politische Debatte beziehungsweise ein Ministerium ziemlich ungeeignet. „Birnbaumgeruch ist schwierig in Gesetzestexte zu packen“, sagte Ferda Ataman. Die Chance für ein gemeinsames „Wir“ sieht Naika Foroutan in der Digitalisierung, denn eine Gesellschaft, die offen vernetzt ist, verlange auch nach offenen Grenzen.

Kochen mit rechten Influencer*innen

Wie groß die Gefahr ist, dass Plattformen von Rechten instrumentalisiert werden, besprachen Sören Musyal und Patrick Stegemann in ihrem Vortrag „The Kids are Alt-Right“. Sie klickten sich durch die Accounts der Neuen Rechten und untersuchten, wie diese Szene Influencer*innen aufbaut.

Die Neue Rechte benutze die Plattformen wie „ein Instrument“ – wie bei anderen Influencer*innen auch würden die Fakten in den Hintergrund gerückt, Emotionen stünden im Vordergrund. So finde man auf Instagram, Youtube, Facebook inzwischen etwa Kochshows, Interviews, Reiseblogs, Songs, die von rechter Ideologie gespickt seien. Ob die Strategie aufgeht, stellten Sören Musyal und Patrick Stegemann allerdings in Frage. Die Inhalte seien meist einfach nur peinlich, weil zum Beispiel Mitmachaktionen oft scheitern würden.

Wie man Rechten im Netz begegnen könnte, erklärte Ingrid Brodnig in ihrem Vortrag „Humor in digtialen politischen Debatten“.Anhand von Memes zeigte sie, wie Diskussionen im Netz gelenkt werden können, im Positiven wie im Negativen. Humor im Netz könne verletzend und diskriminierend sein.

Auch ein Flugtaxi gibt’s

Auch der Wahlkampf spielt bei beiden Konferenzen eine große Rolle. Semjon Rens, Public Policy Manager von Facebook Deutschland, gab in dem Panel „Medien, Manipulation und Microtargeting“ seltene Einblicke in die Arbeit bei Facebook. Rens erklärte, dass die Diskussion darüber, welche Rolle Algorithmen beim Wahlkampf spielen, erst am Anfang stehe. Regulierungsbedarf sieht er vor allem beim Microtargetin, zum Beispiel bei der gezielten Ansprache von Wählergruppen.

Erstmals öffnete auch das Technikmuseum seine Räume für digtiale Debatten. Besonderes Highlight ist der Volocopter, das elektrisch betriebene Flugtaxi, im Park des Museums.

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