Oma Sabiras Liebesbriefe an Lionel Messi

Dez 25, 2017

Oma Sabira ist aus Baku, 91 Jahre alt und ein Barcelonafan. Sie liebt die Mannschaft so sehr, dass man manchmal sogar die Ärzte rufen muss.

Zu Hause sitzt sie auf ihrem Sofa, eingehüllt in eine blau-rote Decke – die Farben des FC Barcelona – und trinkt Tee aus einer Messi-Tasse. Sie hält die Fernbedienung mit ihren faltigen Händen und wartet auf das nächste Derby. Meine aserbaidschanische Oma Sabira: 91 Jahre und der größte FC Barcelona Fan der Welt. Lionel Messi, der flinke Wunderstürmer aus Argentinien, ist ohne Zweifel ihr Lieblingsspieler.

Als mein Opa noch am Leben war, haben beide kein internationales Top-Spiel verpasst. Für manche Spiele des regionalen Fußballclubs Neftçi Peşəkar Futbol Klubu aus Baku gingen sie sogar ins Stadion. Im Gegensatz zu vielen anderen Familien war Fußball nie ein Streitthema zwischen meinen Großeltern.

Heute ist alles anders. Alte Leute in Aserbaidschan können sich nicht viel gönnen. Die Rente meiner Oma beträgt 220 Manats (110 Euro) und reicht kaum, um Lebensmittel zu kaufen. Sie bleibt fast den ganzen Tag in ihrer Einzimmerwohnung, kocht Essen, macht Tee und schaut Fernsehen.

Oma Sabira hasst natürlich Christiano Ronaldo von Real Madrid

Seit ein paar Jahren guckt meine Oma die Spiele alleine oder mit ihren Enkelkindern. Aber es nervt sie, wenn einige von ihnen Real Madrid unterstützen – der größte Rivale von Barcelona. Deshalb macht sie von Anfang an klar: Bei ihr gibt es nur das katalanische Team mit den blau-roten Trikots. Wenn man zu ihr in die Wohnung kommt, ist die erste Begrüßung ein Barcelona-Kalender von 2008. Es ist ihr egal, dass der Kalender schon zu alt ist. Hauptsache, man versteht ihre Botschaft.

Oma Sabira hasst natürlich Christiano Ronaldo von Real Madrid, der jedes Jahr mit Messi um die Auszeichnung des besten Spielers der Welt konkurriert. Sie findet ihn arrogant. In einem Video vergleicht sie das Verhalten von Messi und Ronaldo nach dem Elfmeterschießen.

Wenn Messi verletzt wird oder Barcelona hoch verliert, muss ich meine Oma sofort anrufen

Klar, das klingt alles lustig aus der Ferne. Aber Achtung: Jedes Mal wenn Barcelona verliert, steigt der Blutdruck meiner Oma und sie muss den Arzt rufen. Die Ärzte in Baku kennen sie schon. Oma Sabira war selber lange Ärztin in der Notfallstation und deshalb befiehlt sie ihren Helfern, was sie machen und welche Medikamente sie ihr geben sollen. Mehrmals haben die Ärzte sie gewarnt: Bitte guck´ keinen Fußball mehr oder bleib´ ruhig, wenn Barcelona verliert. Sie sagt dann: „Ich kann nicht ruhig bleiben und ein Spiel verpassen kann ich auch nicht“.

Ich persönlich bin kein großer Fußballfan, aber die Ergebnisse von Barcelona muss ich immer im Blick behalten. Wenn was schief läuft – wenn Messi verletzt wird oder Barcelona hoch verliert – muss ich meine Oma sofort anrufen.

Oma Sabiras größter Wunsch ist, dass Messi auf ihre Briefe antwortet. Davon erzählt sie auch in einem Interview mit dem internationalen Nachrichtenportal Radio Liberty. Das Interview – einen Ausschnitt sieht man im obigen Video – ist in kürzester Zeit im aserbaidschanischen Internet populär geworden. Jetzt rufen sie ständig Journalisten an, um ein neues Interview zu führen. Sogar der offizielle aserbaidschanische Barcelona Fanklub hat mit ihr Kontakt aufgenommen und will sie persönlich treffen. Sie haben Oma Sabira eingeladen, das nächste Derby zusammen zu schauen. Die Briefe soll sie auch mitbringen – die Fanklub-Mitglieder haben versprochen, dass sie die Briefe übersetzen und zu Messi liefern lassen werden.

Hoffentlich wird Oma Sabira dank ihres Interviews bald so berühmt, dass ihre Stimme von „Leo“ gehört wird

Oma hat Messi schon mehrere Briefe geschrieben, aber bisher keine Antwort bekommen. Sie sagt, er hat wahrscheinlich viel zu tun und keine Zeit, sie zu lesen. Und tja, nicht jeder kann die Handschrift einer alten Ärztin lesen. Es gibt auch die Sprachbarriere. Meine Oma kann Spanisch nicht, deswegen schreibt sie in Azeri oder Russisch. Das dürfte selbst für den Alleskönner Lionel Messi ein kleines Problem darstellen. Hoffentlich wird Oma Sabira dank ihres Interviews bald so berühmt, dass ihre Stimme von „Leo“ gehört wird.

Bislang freut sie sich über ihre Popularität im Netz und Barcelonas Erfolge in der Champions League. Ich freue mich auch sehr, dass ich so eine coole „Nänä“ (Oma) habe. Sie selbst ist – ähnlich wie Messi – die Weltbeste in einer Sache: Sie kocht die besten gefüllten Auberginen auf dem Planeten.

Autor: Jamal Ali

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