Nina Kunz von Salam to You im Interview

Sep 4, 2019
Eine junge Frau mit schwarzen Haaren lächelt in die Kamera

Nina Kunz von Salam to You im Interview mit Media Residents. Salam to You ist ein Projekt, dass sich dem medialen Empowerment junger Menschen widmet.

„Salam to You“ kämpfen im Netz gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und hate speech. In Workshops bilden sie junge Menschen dazu aus, ihre Gedanken zu eigener Identität und Zugehörigkeit medial umsetzen zu können. Die Kolleginnen und Kollegen von Media Residents hatten Nina Kunz von Salam to You im Interview.

Media Residents: Hi Nina, schön dass du Zeit hast! Stell dich doch mal bitte vor!

Nina: Hi, ich bin Nina und arbeite seit etwa einem Jahr im Projekt Salam to You – was mir richtig viel Spaß macht.
Nach meinem Studium habe ich in einem Wohnheim für Menschen mit Fluchterfahrung gearbeitet, dann war ich an der filmArche und habe neben kleinen Filmprojekten, verschiedene Filmworkshops mit Jugendlichen durchgeführt.

Media Residents: Was genau ist Salam to You? Und was ist deine Rolle in dem Projekt?

Nina: Salam to You macht Radikalisierungsprävention online. Gerade auf Social Media sind extremistische Gruppen besonders aktiv und wir werden viel mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und hate speech konfrontiert. Bei Salam to You wollen wir gemeinsam mit jungen Menschen Ausgrenzung und Diskriminierung etwas entgegensetzen. Das geschieht in erster Linie über unsere Workshops in denen wir gemeinsam Content für Social Media produzieren, der eine andere Geschichte erzählt als das, was Extremist*innen uns versuchen glaubhaft zu machen.
Bei Salam to You bin ich vor Allem für die Konzeption und Organisation unserer Workshops zuständig. Aber ich bin auch bei den Workshops dabei und leite sie mit an.

Nina und Julia von Salam to You.

Identität ist nicht starr und eindeutig

Media Residents: Bei eurer Arbeit mit Jugendlichen habt ihr euch bisher stark mit dem Begriff “Identität” beschäftigt. Warum ist es gerade für junge Menschen so wichtig, sich mit ihrer Identität auseinanderzusetzen?

Nina: In der heutigen Zeit muss jede*r von uns die eigene Identität immer wieder aufs Neue selbst erarbeiten. Das kann manchmal sehr anstrengend sein, weil es so viele Wahlmöglichkeiten für Identitätsentwürfe gibt, die von der Gesellschaft nicht mehr so sehr vorgegeben sind und viel stärker auf eigenen Entscheidungen und Werten beruhen. Diese Wahl zu haben, bedeutet natürlich neue Chancen. Vor der Wahl zu stehen kann aber besonders junge Menschen auch überfordern und sie anfällig für die (vermeintlich) eindeutigen Identitätsangebote radikalerer Gruppen mit ihren klaren Orientierungen machen. Sie vermitteln, dass Identität etwas Starres und Eindeutiges ist. Dass man beispielsweise niemals deutsch werden oder nicht gleichzeitig deutsch und schwarz sein kann. Diesen starren Identitätskonzepten wollen wir online etwas entgegensetzen. Mehrfachzugehörigkeiten und Schnittmengen sind möglich; diese Vielfalt verbindet uns und ist sehr wichtig für unsere Gesellschaft.

Media Residents: Ihr habt immer wieder Veranstaltungen. Was steht als nächstes bei euch an?

Nina: In unseren letzten Workshops haben wir zusammen mit der Regisseurin und Drehbuchautorin Kristine Nrecaj Filmkonzepte entwickelt, bei denen es um die Vielfalt und Mehrdeutigkeit von Identitäten geht. Diese Konzepte wollen wir im Mai zusammen umsetzen. Anschließend soll das Material von der Filmgruppe geschnitten werden, sodass es im September ein Screening der Filme geben kann. Im Juni wird es außerdem einen Workshop zum journalistischen Schreiben geben.

ALEX Volontär Ali Hassanpour (Radio Popcorn) Im Interview mit Salam to You.

Mit unseren Filmen unterstützen wir junge Menschen, starren Identitätskonzepten online etwas entgegenzusetzen

Media Residents: Warum lohnt es sich, bei Salam to You mitzumachen? Wie kann man Teil der Redaktion werden?

Nina: Wem es wichtig ist, selbst zu definieren wer er*sie ist und sich gemeinsam mit anderen jungen Menschen medial für eine offenere und tolerantere Gesellschaft einzusetzen, der*die ist bei uns genau richtig.

Dieses Jahr hat ein Filmworkshop in Kooperation von Media Residents und Salam to You mit dem Dokumentarfilmer Thabo Thindi stattgefunden. Was waren die zentralen Themen des Workshops?

Nina: Es ging im Workshop darum, die Teilnehmenden auf die oben erwähnten Drehs im Mai vorzubereiten, aber auch darüber hinaus theoretische und praktische Skills für den Umgang mit Kamera und Ton sowie Regieführung am Set, zu vermitteln. Außerdem haben wir uns auch über Teilnehmende gefreut, die Salam to You kennenlernen wollten und Interesse hatten, an der Umsetzung der Filme mitzuwirken.

Media Residents: Danke dir, Nina!

Dieses Interview erschien zuerst auf dem Blog von Media Residents. Media Residents ist ein Projekt von Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland und wird gefördert vom Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz. Zum Angebot von Media Residents gehören ein offener Coworking Space, Technikverleih und Workshops für alle mit Publikationshintergrund.

Comments

Comments are closed.