Neun Highlights des Pop-Kultur Festivals 2018

Aug 15, 2018

Das interdisziplinäre Stadtfestival Pop-Kultur bietet Musik- und Kulturfanatiker*innen nun schon im vierten Jahr ein exquisites Programm. Um euch bei der Entscheidung zu helfen, präsentieren wir neun handverlesene Programmpunkte.

Das Pop-Kultur Festival geht mittlerweile in die vierte Runde und hat sich nach seinem Start 2015 im Berghain als liebevoll kuratiertes Stadtfestival etabliert (trotz der ironischen Plakate mit romantischen Landschaftsmotiven), das für Musiknerds und Pop-Kultur-Expert*innen ein facettenreiches und spannendes Programm präsentiert. Zum zweiten Mal öffnet zwischen dem 15.08.2018 und dem 17.08.2018 die Kultubrauerei im Prenzlauerberg die Tore für die Pop-Kultur, bei der für drei Tage nicht nur Livemusik die Pop-Herzen höher schlagen lassen, sondern auch DJ-Sets, Filmvorführungen, Ausstellungen, Installationen und wichtige Talks rund um politische und pop-kulturelle Themen.

Damit man bei den über 100 verschiedenen Veranstaltungen nicht den Überblick verliert, haben wir die Highlights der Veranstaltung für euch zusammen getragen.

 

1. Pop-Hayat: Die Talks über Diversität und queer-feministische Pop- und Clubkultur

Yesim Duman © Intissare Aamri

Yesim Duman © Intissare Aamri

 

„Hayat“ ist Türkisch und heißt Leben. Schon im letzten Jahr hat die Hambuger DJ Yeşim Duman das Talkprogram der Pop-Kultur maßgeblich mitgestaltet. Die Aktivistin, die sowohl Resident im berühmt berüchtigten Pudel ist, als auch mit ihren eigenen queer-feministischen Veranstaltungsreihen „Bubble“ und „Erdogay“ das Nachtleben in verschiedenen Clubs Hamburgs aufmischt, lebt Pop- und Clubkultur nicht nur hinter den Turnies. Sie spricht darüber, klärt auf, sitzt auf Podien und versucht den Diskurs zu postmigrantischer und queer-feministischer Kultur einem größeren Publikum zu vermitteln. Das interdisziplinäre Pop-Kultur-Festival bietet dafür die perfekte Bühne, so dass auf interessierte Zuhörer*innen gleich eine ganze Reihe Pop-Hayat Events warten. Darunter Talks mit der Rapperin Lady Bitch Ray und Schriftstellerin Fatma Aydemir über Sprache im Rap und Rap in der Literatur sowie darüber sowohl fremd als auch entfremdet zu sein.

Pop-Hayat: der Talk« – F. Aydemir, Lady Bitch Ray und Y. Duman

15.08.2018 / 21.20 – 22.00 / Kino in der Kulturbrauerei (Saal 5)

Zusammen mit der taz-Kolumnistin und Missy-Redakteurin Hengameh Yaghoobifarah und der deutsch-türkischen Rapperin Ebru Düzgün alias Ebow (Teil von Gaddafi Gals) spricht Duman über die großen Player im deutschen Musikgame und über den Zugang zu Anerkennung, Verantwortung, Erfolg und Geld. Ist das Business Pop-Kultur wirklich so queer, divers, tolerant und offen, wie es sich teilweise präsentiert?

Lady Bitch Ray © CarlosFernandez Laser

Lady Bitch Ray © CarlosFernandez Laser

»Pop-Hayat: Let’s talk about gender, canım« – Ebow, H. Yaghoobifarah und Y. Duman 

16.08.2018 / 19.00 – 19.40 / Haus für Poesie

Von Entfremdung kann die schwedische Rapperin Silvana Imam, die eine litauische Mutter und einen syrischen Vater hat, buchstäblich ein Lied singen. Als lesbische Feministin vereint sie alles, was im aktuellen Europa mit einem scheinbar wachsenden Konservatismus und einer erstarkenden Rechten als unnormal und problematisch gilt. Der Dokumentarfilm „Silvana“, der bei der Pop-Kultur Deutschlandpremiere feiert, zeigt eindrücklich ihren steinigen Werdegang.

Pop-Hayat: Silvana (OV)

17.08.2018 / 19:00 – 20:35 / Kino in der Kulturbrauerei (Saal 5)

Im Anschluss an den Film lädt Yeşims Duman erneut zum Gespräch über die queere Clubkultur. In Hamburg sind es unter anderem Yeşims Partyreihen „Bubble“ und „Erdogay“, in Berlin machen seit einer Weile die zwei Frauen Gizem Adiyaman und Lucia Lucian mit ihrer queeren Hip-Hop-Veranstaltungsreihe „hoe_mies“ in einer von Cismännern dominierten Szene von sich reden. So genannte safer spaces, die Künstlerinnen eine Plattform bieten und die frei sind von Diskriminierung auf Grund von Geschlecht, Herkunft oder sexueller Orientierung, muss man sich noch immer mühevoll selbst schaffen, obwohl gerade Clubs als freier und hedonistischer Raum für alle Menschen gelten und dort Toleranz und Diversität gefeiert werden soll. Hengameh Yaghoobifarah und Yeşim Duman sprechen gemeinsam mit Künstlerin, Produzentin, Veranstalterin und DJ Neda Sanai aka Nedalot über die Frage, wie offen Clubkultur und die verschiedenen Subszenen eigentlich sind und wo das politische Potential der Clubszene liegt.

Pop-Hayat: Çayquiri zum Selbermachen – ein Talk über queere Clubkultur« – H. Yaghoobifarah, N. Sanai und Y. Duman

17.08.2018 / 20:35 – 21:00 / Kino in der Kulturbrauerei (Saal 5)

Als große Abschlussveranstaltung der Reihe darf natürlich die Party nicht fehlen. Auch dafür wird am Freitagabend im Frannz Club mit Musik zwischen futuristischem Techno und klassischem House mit diesem schicken Line-up gesorgt:

01:00 – 02:00 Ablas Soundsystem aka Nedalot & DJ Yeşo

02:00 – 03:30 BEARCAT

03:30 – 05:00 KILLA

2. Fette Beats und deepe Bässe von den Gaddafi Gals und Ebow

Ebow ©Magdalena Fischer

Ebow ©Magdalena Fischer

Ebru Düzgün ist nicht nur Teil von Yeşim Dumans Talkprogramm. Als knallharte Deutschrapperin Ebow tanzt sie außerdem in ihren Musikvideos vor heißen Schlitten im slacken Jogginganzug und dropped dabei treffsichere Punchlines, mit denen sie dem Publikum im Maschinenhaus der Kulturbrauerei am Freitag ordentlich einheizt. Als Teil der Gaddafi Gals, die schon mit ihrer ersten EP internationales Aufsehen erregten, nennt sich Düzgün blaqtea und serviert an der Seite von Slimgirl Fat aka Nala Karacagil und Produzent walter p99 arke$tra alias Jonas Braun eine frische Portion R’n’B.

Gaddafi Gals

16.08.2018 / 21:40 – 22:25 / Alte Kantine

Ebow

17.08.2018 / 22.00 – 22.45 / Maschinenhaus

3. Was macht eigentlich Haiyti?

Haiyti © Tim Bruening

Haiyti © Tim Bruening

Gleich nach dem Konzert von Ebow hat man knappe fünf Minuten, um direkt ins Kesselhaus zu marschieren. Wobei man sich dann wahrscheinlich nur noch in die hinterletzte Reihe quetschen darf, weil die derzeitige Hamburger Autotune- und Trapqueen Hayiti den Kessel anschmeißt. An der Deutsch-Kroatin, die sowohl Straße als auch Studentin an der Hochschule für bildende Künste in  Hamburg  ist, kommen spätestens seit dem Release ihres zweiten Albums Montenegro Zero im Januar 2018 weder Pop-Kulturnerds noch Feuilletonist*innen vorbei. Die Kleine hat jetzt Kasse und sicher auch 100.000 Fans gemacht. Da kocht die Crowd garantiert!

Hayiti

17.08.2018 / 22.50 – 23.50 / Kesselhaus

4. Dreckig, Laut, Punk: Die Nerven

Die Pop-Kultur lässt sich bei ihrem Line-up wahrlich nicht lumpen und haut einer der wahrscheinlich lautesten, dreckigsten und schweißtreibensten Konzerte schon am Mittwochabend raus. Max Rieger, Julian Knoth und Kevin Kuhn aka Die Nerven schrammeln düsteren Post-Punk mit poetischen Texten und werden dafür bei jedem Albumrelease (zuletzt veröffentlichten sie ihre vierte Platte „Fake“ im April 2018) von Kritiker*innen mit Superlativen überschüttet: „Das vielleicht beste deutsche Trio seit Trio“ (derStandard), „eine der wichtigsten und besten deutschsprachigen Platten dieses Jahrzehnts“ (Der Spiegel über „Fun“), „das beste deutsche Album des Jahres“ (Intro über „Fake). Über ihre Konzerte kann man mindestens das Gleiche sagen, also ab ins Kesselhaus!

Die Nerven

15.08.2018 / 22:50 – 00:00 / Kesselhaus /

5. Drangsal trifft die Heiterkeit: Die Mausis

Wem Die Nerven zu spät und zu laut sind, kann sich am Mittwoch bereits etwas früher das mit Max Rieger (Die Nerven) produzierte Projekt von Max Gruber (Drangsal) und Stella Sommer (Die Heiterkeit) anschauen: Die minimalistische Akustikmusik mit frechen Texten lädt dabei zum gemütlichen Schwofen ein.

Die Mausis

15.08.2018 / 21:00 – 21:30 / Frannz

6. Was kann Boykott

Klaus Lederer © Senatsverwaltung für Kultur und Europa

Klaus Lederer © Senatsverwaltung für Kultur und Europa

Wer sich vor den Konzerten noch ein bisschen kultur-politischen Input geben möchte, dem sei das Gespräch mit dem Berliner Kultur- und Europasenator Klaus Lederer und der israelischen Schriftstellerin Lizzie Doron, moderiert von Kulturjournalistin Shelly Kupferberg, sehr ans Herz gelegt. In dem Gespräch, dass sowohl in deutscher, englischer und Gebärdensprache stattfindet, soll es um den Boykott als politisches Werkzeug gehen und die Frage ob und welchen Einfluss Boykott politisch haben kann. Weniger am Beispiel der Pop-Kultur selbst, die durch den BDS Opfer von Boykott geworden ist, als am Beispiel der Kindheitserfahrungen von Lizzie Doron, deren Mutter – eine Holocaustüberlebende – alles aus ihrem Leben verbannte, was deutsch war.

„Boycott“ (de + en)

15.08.2018 / 20.00 – 21.00 / Kino in der Kulturbrauerei (Saal 5)

7. … And You Will Know Us by the Trail of Dead

Schon fast 25 Jahre ist es her, dass …And You Will Know Us by The Trail of Dead in der texanischen Provinz angefangen haben, Musik zu machen, inspiriert von der Idee, damit zu finden und auszudrücken, was allen Kulturen inherent ist. In den letzten zwei Decaden haben sie mit ihrer schier grenzenlosen Energie sowohl bei ihrem Live-Publikum und mit ihren essayistischen Texten bei verwirrten Teenagern einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Bevor sie bald ihr zehntes Album auf den Markt schmeißen, touren Trail of Dead mit ihrem Repertoire durch die Staaten und Europa.

… And You Will Know Us by the Trail of Dead

15.08.2018 / 20.40 – 21.30 / Palais

8. „Rausch Royal“ mit Ramba Zamba

21 Downbeat © Mv Kummer

21 Downbeat © Mv Kummer

Das Musicboard Berlin, das die Pop-Kultur veranstaltet, hat sich in diesem Jahr besonders die Förderung und das Sichtbarmachen von Menschen mit Behinderung auf die Fahne geschrieben. Über Inklusion darf nicht nur geredet, sie muss auch gelebt werden. Das wird sowohl mit Talks in Gebärdensprache verwirklicht, um einen Barrierefreien Zugang zu schaffen, als auch durch das Buchen von Künstler*innen und Künstlern mit Behinderung. Die Band 21 Downbeat, die aus Darsteller*innen des Theater RambaZamba besteht, darunter zwei mit Downsyndrom, präsentiert dabei experimentelle Sound- und Gedichtschnipsel und lässt damit unter anderem die Poesie des Dada von Hugo Ball und Emmy Hennings unter wummernden Bässen wieder aufleben. Am darauf folgenden Tag sprechen RambaZamba-Intendant Jacob Höhne, Hieu Pham und Leo Solter aus dem Ensemble und Liedermacher Andreas Spechtel über die Entstehungsgeschichte der Performance.

Konzert: RambaZamba Theater „Rausch Royal“

16.08.2018 / 19:00 – 20:00 / Palais /

Konzert: RambaZamba Theater „Rausch Royal“

17.08.2018 / 19.00 – 19.40 / Haus für Poesie /

9. Der ALEX-Donnerstag im Frannz: DIVES, The Choolers Division und The White Screen live im TV!

The Choolers Division © Olivier Donnet

The Choolers Division © Olivier Donnet

Unser großes Hightlight bringen wir euch ins Wohnzimmer. Wie auch im letzten Jahr ist ALEX Berlin live bei der Pop-Kultur und feuert aus allen Rohren. Heißt: Im TV, im Webstream, auf YouTube und auf Facebook könnt ihr euch am 17.08.2018 ab 21.00 die Konzerte von DIVES, The Choolers Division und The White Screen aus dem Frannz Club anschauen. Mit DIVES stehen drei Power-Frauen aus Wien auf der Bühne, die Indie-Rock der guten alten 2000er spielen. Das in Marseille gegründete Projekt The Choolers Division von zwei belgischen MCs mit Downsyndrom nennt sich selbst „außer Kontrolle geratene Maschine“ und mit The White Screen aus Tel Aviv wird es dreckig, glamig, punkig und trashig. Dreht die Boxen auf!

DIVES

16.08.2018 / 21:00 – 21:40 / Frannz

The Choolers Division

16.08.2018 / 22.00 – 22.40 / Frannz

The White Screen

16.08.2018 / 23:00 – 23:40 / Frannz

 

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