„Mit Akzent wird man nicht so einfach akzeptiert“ – Über eine Journalistin mit Migrationshintergrund

Dez 11, 2019

Als Journalist in Deutschland Fuß zu fassen, ist schwierig. Ganz
besonders, wenn man aus einem anderen Land kommt. Die
Radio-Moderatorin Begzada Kilian hat es geschafft. Unsere VolontärInnen Nyima Jadama und Ali Hassanpour haben sie besucht und ihren journalistischen Werdegang zusammengefasst.

Die bosnische Journalistin Begzada Djulovic-Kilian kam aus Liebe kurz vor dem Mauerfall nach Deutschland. Weil die damals 26-Jährige weiter beim Radio arbeiten wollte, fing sie bei der Deutschen Welle (DW) und dem Sender Freies Berlin (SFB) an.

Vom Radio Multikulti zum inforadio: Journalistin Begzada Djulov

Anfangs moderierte sie in ihrer Muttersprache. Nach fünf Jahren fühlte sie sich sicher genug, um auf Deutsch zu moderieren. „ Allerdings war das gar nicht so leicht. Egal wie gut man Deutsch spricht, hat man doch immer eine gewisse Sorge um eloquent genug zu sein und keine Fehler zu machen“. Diese Chance aber wollte sie nicht verpassen, sie lernte gern dazu, wurde immer souveräner und danach jahrelang eine der führenden ModeratorInnen von Radio Multikulti.

Liebt ihre Arbeit als Journalistin – auch, wenn es nicht immer leicht für sie war: Begzada Djulovic-Kilian

Schritt für Schritt fasste Begzada Kilian in der deutschen Radiowelt Fuß. Nachdem „Radio Multikulti“ 2009 eingestellt wurde, übernahm sie beim rbb viele andere Aufgaben: Sie arbeitete als Nachrichtenredakteurin beim inforadio und schrieb viele Kolumnen für die beliebte Rubrik „100 Sekunden Leben“. Später übernahm sie die einstündige Diskussionssendung „Das Forum“, für die sie auch heute noch verantwortlich ist.
Unter anderem moderierte sie auch das Morgenprogramm „Frühstück“, das als die wichtigste Sendung des Programms galt. Parallel arbeitete sie auch für den WDR-Funkhaus Europa und für die DW, für die DW arbeitete sie sogar auch als Fernsehmoderatorin.

„Als JournalistIn muss man die Angst hinter sich lassen“

Bei dieser Arbeit hilft ihr, dass sie viele hochrangige Politiker kennt. „Außer Angela Merkel hatten wir fast alle berühmten Politiker“, sagt sie. Wichtig für ihre Arbeit ist auch ihre Neugier auf neue Themen wie Migration und Integration. Einmal pro Woche schreibt Begzada Kilian darüber in einer eigenen Kolumne.

Die Angst vor dem Mikrofon ist für sie längst kein Thema mehr. Ihren Akzent hört man zwar noch, aber das stört niemanden mehr. Obwohl sie schon so viele Jahre Journalistin ist, liebt sie ihren Beruf nach wie vor. „Man lernt ständig hinzu“, sagt sie. Außerdem könnten Journalisten Vorurteile abbauen mit ihren Beiträgen.

Zum Schluss rät die 56-jährige Journalistin den Nachwuchsjournalisten mit Migrationshintergrund, die Angst hinter sich zu lassen und ihre Kompetenz zu zeigen. Weitere Tipps sind: „Deutsch lernen, mutig sein, sein Talent sehen und sich eine Nische suchen.“

Text: Nyima Jadama und Ali Hassanpour

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