Krake Festival 2020: Elektronische Musik trifft Inklusion

Dez 10, 2020
Das Bild zeigt Teilnehmer des Projektes "Ick mach Welle", die gemeinsam am DJ-Pult stehen und Musik machen.

Bei „Ick mach Welle!“ können Menschen mit Handicap den Umgang mit elektronischer Musik lernen. Dieses Wochenende spielen die Künstler*innen des Projekts beim Krake Festival 2020 ihre Tracks.

Werner, auch bekannt als Bläck Dävil, hat ein Handicap und ist seit Anfang an bei „Ick mach Welle!“ dabei. Mit dem Musikprojekt hatte er im vergangenen Jahr neun Auftritte, erzählt der Künstler. „Es war eine richtige geile Zeit und hat Spaß gemacht. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass ich mehr Platten produzieren kann und noch bekannter werde“, fährt Werner fort.

„Ick mach Welle“ fördert Zugang zu elektronischer Musik

Bei „Ick mach Welle!“ werden Menschen mit Behinderung dabei unterstützt, selbst elektronische Musik machen. Das Projekt des Berliner Kulturveranstalters Killekill und der Lebenshilfe Berlin gibt es seit 2018. In den wöchentlichen Workshops werden Menschen mit Handicap dazu ermutigt, ihren künstlerischen Weg zu gehen. Sie erlernen den Umgang mit Musikprogrammen, Synthesizern und anderen virtuellen Instrumenten.

Das Ziel ist es, die Musiker*innen in einem Rahmen auftreten zu lassen, in dem sie in erster Linie als Künstler*innen und nicht als Menschen mit Handicap wahrgenommen werden. Sie sollen nicht mehr als Ausnahme, sondern als selbstverständlich gelten. Laut den Verantwortlichen brennen die Teilnehmer*innen teilweise zum ersten Mal in ihrem Leben für eine Sache und entwickeln in diesem Zuge ein enormes Selbstbewusstsein.

Krake Festival 2020 überträgt digitale Live Sets der Künstler*innen

Ein Ort, an dem die Künster*innen ihr Können beweisen können, ist das jährlich stattfindende Krake Festival in Berlin, welches es bereits seit zehn Jahren gibt. Wegen der Corona-Pandemie findet das Event dieses Jahr digital statt. Drei Tage lang, vom 11. bis zum 13. Dezember, können Live Sets, Musikvideos und Shows gestreamt werden.

Künstler*innen mit Behinderung treten beim Krake Festival 2020 auf
Bei Auftritten können die Künstler*innen von „Ick mach Welle!“ zeigen, was sie gelernt haben. Foto: Virginia De Diaz

Von „Ick mach Welle!“ dabei sind unter anderem Schrunzel und Blauer Schmetterling. Das Duo macht gemeinsam Musik und bekommt beim Festival sogar einen eigenen Floor, auf dem ihr Gig den ganzen Abend gespielt wird. Auch Bläck Dävil ist mit seinem Musikpartner M-F-X auf der Veranstaltung vertreten. Die beiden freuen sich schon, den Zuschauer*innen des Festivals ihren ganz eigenen Musikstil zu zeigen. Den Arbeitstitel ihres Projekts nennen die Künstler „Audio Dada“, angelehnt an den Dadaismus. Die technischen Sounds untermalt Werner mit seinem Sprechgesang: „Musik auf die Ohren. Musik auf die Nerven. Du bist allein unterwegs. Denk dran!“.

Bläck Dävil und M-F-X sind ein eingespieltes Team. Gemeinsam schreiben sie Texte, bilden Reime, nehmen Sounds auf. „Werner bringt ganz viel Energie mit und ist der beste Dada-Schreiber der Welt. Es ist eine unglaubliche Bereicherung, mit ihm zu arbeiten“, erzählt M-F-X, der im Gegensatz zu seinem Partner kein Handicap hat. Beide hoffen, dass im nächsten Jahr wieder mehr Auftritte für die Teilnehmer*innen von „Ick mach Welle!“ möglich sind.

Elektronische Musik ist für Menschen mit Behinderung hervorragend geeignet

„Allgemein gibt es wenige inklusive Künstler*innen im elektronischen Bereich“, erklärt Katinka Deuster vom Label Killekill. Deswegen möchte „Ick mach Welle!“ die Möglichkeit bieten, Menschen mit Behinderungen im musikalischen Bereich zu fördern. „Elektronische Musik ist hervorragend geeignet für Menschen mit körperlichen oder kognitiven Einschränkungen, denn sie funktioniert oft intuitiv und ohne musikalisches Vorwissen“, erklärt Katinka. Gemeinsam mit ihrem Mann veranstaltet sie seit 2010 das Krake Festival, um unter anderem den Teilnehmer*innen von „Ick mach Welle!“ eine Bühne zu bieten.

Einblicke in das Krake Festival von 2016.

Normalerweise findet das Krake Festival analog und eine ganze Woche lang statt. Das kann einige Hürden mit sich bringen: Katinka erklärt, dass man sich als Veranstalter*in logistisch umstellen muss. Sowohl für die Künstler*innen als auch für die Gäst*innen müssen barrierefreie Wege und Toiletten sowie Fahrdienste und Wegeleitungen geschaffen werden. Manchmal ist es auch nicht möglich, Musiker*innen zu späteren Uhrzeiten zu buchen. Das liegt etwa daran, dass sonst deren Tagesabläufe durchbrochen und die Medikamenteneinnahmen gestört werden.

Weil das Festival dieses Jahr digital stattfindet, standen Katinka und ihr Team vor anderen Schwierigkeiten als sonst. Die technische Umsetzung eines solchen Festivals bringt einige neue Herausforderungen mit sich. Doch das finale Ergebnis kann sich sehen lassen. Was an den drei Tagen alles passiert, findet man hier: Krake Festival Programm. Wir sind auf die ganzen Sounds gespannt, die uns am Wochenende erwarten!

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Fotos: Virginia De Diaz