Karneval der Kulturen 2019 – So war der Festumzug in Kreuzberg

Jun 11, 2019
In bunte Gewänder gekleidete Menschen beim Tanzen

Riesige Schmetterlinge und in der Mittagssonne glitzernde Falter bewegen sich fast schwebend und von wummernden Bässen begleitet durch die Gneisenaustraße in Kreuzberg.

So merkwürdig dieser Anblick im ersten Moment für Außenstehende auch anmutet, so vertraut ist er den Anwohnern. Von Balkonen und aus Fenstern genießen sie die Aussicht auf das Geschehen auf der Straße, denn: Es ist wieder Karneval der Kulturen in Berlin!

Pfingstsonntag, 14.13 Uhr in Berlin: Bereits zum 24. Mal ziehen tausende Menschen aller Altersgruppen und mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen durch die Straßen Kreuzbergs  und feiern beim Karneval der Kulturen zusammen die bunte Vielfalt Berlins. Mit dabei ist auch Klaus Lederer, Kultur- und Europasenator von Berlin. Zusammen mit den Veranstaltern und Partnern eröffnet er den Festumzug des Karnevals unter dem Motto „Miteinander“. Im Interview mit ALEX Berlin zeigt Lederer seine Begeisterung: „Die Stimmung ist großartig! Tausende Berlinerinnen und Berliner sind hier, ich glaube die Leute haben einfach nur unfassbar viel Spaß daran – das ist das Schöne am Karneval der Kulturen.“

Ein asiatischer Mann lächelt in die Kamera

Der Karneval der Kulturen steht für die Vielfalt Berlins. Im Bild: Love Korea

Von Artenvielfalt, Europa und Straßenpartys

Insgesamt 76 Gruppen nehmen am Festumzug des Karnevals teil. Viele von Ihnen bereiten sich schon seit Monaten auf das Großereignis vor. Egal ob Vereine, Freiwillige, Kulturschaffende oder soziale Projekte aus ganz Berlin: Alle Akteure haben sich etwas Besonderes überlegt, um ihre gesellschaftliche oder politische Message künstlerisch nach außen zu tragen.

Angeführt wird der Umzug auch in diesem Jahr wieder von der Gruppe Sapucaiu No Samba, die nicht nur mit starken Kostümen, sondern auch einer starken Message starten: Mit riesigen, menschlichen Schmetterlingen mit glänzenden, meterlangen Flügeln möchte die Gruppe auf die bedrohte Artenvielfalt des Amazonas aufmerksam machen und für mehr Nachhaltigkeit plädieren. Diesen Wunsch nach Nachhaltigkeit setzt die Gruppe auch direkt selbst um. Den großen, geschmückten Wagen, der die in Gold gekleideten Trommler, Samba Tänzer, tropischen Insekten und den fast schon zum Maskottchen des Karnevals mutierten Frosch – den Sapucaiu No Samba – begleitet, zieht die Gruppe in diesem Jahr von Hand.

Ein verkleideter Frosch winkt, im Hintergrund ziehen Männer einen Wagen

Die Gruppe Sapucaiu No Samba zieht ihren Wagen selbst – dem Frosch gefällt’s

Damit ist die Gruppe eine von 23 in diesem Jahr, die ihre Wagen und Plattformen unmotorisiert und mit reiner Muskelkraft fortbewegen. Und auch sonst strotzt der Zug vor Kreativität und Energie: Trommler, schnelle Beats und Salsa, der die Zuschauer mitreißt, wechseln sich mit Stelzenläufern, Akrobaten, in farbenfrohe Kostüme gekleideten Tänzern und Live-Musik.

Die Teilnehmer von Kalibani, die in interkulturellen Theater- , Kunst- und Musikprojekten mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, bringen Kunst auf die Straße. Die Gruppe hat ihren Wagen mit zahlreichen Zeichnungen geschmückt, die von Kindern mit Behinderungen gemalt wurden. Beim Karneval der Kulturen geht es eben auch um Integration, Gleichberechtigung und das bereits bei der Eröffnung thematisierte Miteinander. Passend dazu haben auch Bloco Explosao ihr Motto „Brücken statt Mauern“ gewählt:  Mit einer Europafahne als Umhang reißen an Neptun erinnernde Meeresgötter mit blauen Haaren und Dreizack auf Tücher gemalte Mauern ein und setzen damit ein politisches Statement für Seebrücken. Weniger politisch, aber nicht weniger beeindruckend ist der Wagen von Berlin Indiawaale. Mit indischen Dance-Beats und passenden Tanzperformances heizen die Teilnehmer der tanzwütigen Meute ordentlich ein. Die Zuschauer auf der Strecke sind so begeistert, dass viele von ihnen sich dem Truck anschließen und mit ihm über die Gneisenaustraße und Hasenheide ziehen und feiern.

Tanzende, mit bunten Farben bemalte Menschen

Partystimmung hinter dem Truck von Berlin Indiawaale

Künstlerische Darbietungen werden gewürdigt

Als kleinen Höhepunkt des Umzugs präsentiert jede Gruppe eine 90-sekündige Performance vor der Ehrentribüne. Ausnahmslos strotzen diese eineinhalb Minuten vor positiver Energie und zeigen, wie viel Arbeit, aber auch wie viel Spaß, die Akteure beim Karneval der Kulturen haben. Eine Fachjury vergibt schließlich mit jeweils 1000€ dotierte Würdigungen in sieben verschiedenen Kategorien.

Am Pfingstmontag hat die Jury auf der Bühne des KdK Straßenfestes die Gruppe Streetuniversity Berlin e.V. in der Kategorie Nachhaltigkeit gewürdigt, während sich die Party-Crowds von Berlin Indiawaale und Furiosa über den Preis für Tanz und/oder Musik freuen konnten. Die Würdigung in der Kategorie Kinder und Jugendliche ging an Abenteuer Tanz, für ihre Gesamtformation wurden Org. por Bolivia ausgezeichnet. Für die erste Gruppe Sapucaiu No Samba und ihren Begleitfrosch hat sich der Muskeleinsatz bei fast 30 Grad und strahlendem Sonnenschein gelohnt – die Jury würdigte ihren Einsatz in der Kategorie Wagenbau. Die Würdigung für Kostüme/Requisiten/Figuren erhielt die Gruppe Kul’tura, während Bloco Explosao mit ihrem Pro Europa Statement in der Kategorie Thema und künstlerische Umsetzung überzeugen konnten.

Mann mit blauer Perücke dreht sich, trägt eine Europafahne als Umhang

Bloco Explosao setzen mit ihrer Performance ein klares Pro Europa Statement

Begeisterung bei Fachjury und politischen Akteuren

Begeistert sind am Ende des Tages nicht nur die Jury, sondern auch die anderen Gäste auf der Tribüne.  Neben den Vorständen der Organisatoren und Partner des Karneval der Kulturen haben es sich auch Vertreter unterschiedlicher politischer Lager des Senats und Abgeordnetenhauses nicht nehmen lassen, live bei dem bunten Treiben dabei zu sein. So zeigten sich auch Christian Goiny (CDU), Notker Schweikhardt (Die Grünen) und Kai Wegner (CDU) im Interview mit ALEX Berlin vom diesjährigen Karneval ebenso begeistert wie Klaus Lederer, der sich nach einem Zwischenstopp auf der Tribüne wieder unter das Volk mischen wollte: „Weil man ja dann doch mehr von dem Flair, von der Energie mitbekommt, die auf dem Karneval der Kulturen stattfindet“, wie er unserer Moderatorin Sophie verraten hat.

Dr. Klaus Lederer wird von ALEX Berlin inerviewt

Dr. Klaus Lederer im Interview mit Ann-Sophie Reintjes von ALEX Berlin

Verstehen wir gut, denn eins ist klar: Positive Energie gab es unter den Akteuren und 600.000 Besuchern beim Festumzug des Karneval der Kulturen 2019 wieder richtig viel in Berlin!

 

Text: Elisa Slaby / Fotos: Julius Sumit Becher, Undral Odontugs

 

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  • Ein Mann steht vor einem Transporter und redet, fünf Menschen mit ALEX Shirt stehen um ihn und hören zu
    Kurze Teambesprechung vor dem Start des Karneval der Kulturen am Ü-Wagen von ALEX Berlin
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