Poetry meets Politics: i,Slam Preisverleihung

Dez 17, 2016

Der i,Slam bietet eine Bühne für die kritischen, poetischen und politischen Texte junger Muslime. Wir waren bei der Preisverleihung am Pariser Platz.

i,Slam: Das ist eine Berliner Gruppe, die sich vor fünf Jahren gegründet hat, um jungen Muslime eine Bühne zu bieten für ihre Texte und ihre Kunst. Ganz nach dem Vorbild des schon bekannten amerikanischen Poetry-Slam. i,Slam ist trotzdem ein Novum. Erstmalig vergibt der Verein Preise im Wettbewerb für gesellschaftskritische Kunst. Vier Kategorien werden heute hier prämiert: Visual Arts, Video, Musik und Literatur. Jeweils die von einer Jury ausgewählten erst- bis drittplatzierten Teilnehmende des Wettbewerbs dürfen sich über eine gläserne Trophäe freuen und ein sattes Fördergeld. Platz 3 bekommt 2.000 Euro Förderung, Platz 2 sogar 3.000 Euro und die Gewinner/innen stolze 5.000 Euro. Es geht also wirklich um etwas an diesem Abend.

Moderator Youssef begrüßt das volle Haus charmant und lustig. Man merkt wie aufgeregt er heute, an diesem wichtigen Abend für i,Slam ist. Lustigerweise wird auch der deutsche Verfassungsschutz am heutigen Abend willkommen geheißen. Das sorgt natürlich für Lacher im Publikum. Doch Youssef legt direkt nach mit dem Credo der Gruppe, welches seit nun mehr 5 Jahren das Engagement von i,Slam begleitet. Harmonie und Frieden soll im Vordergrund stehen – und das tut es.  Ich fühle mich hier sehr wohl.

Die Suche nach Identität ist bei vielen leitendes Thema

Nach dem Begrüßungsworten geht es direkt los. Sawsan Chebli wird auf die Bühne gebeten. Viele kennen sie hier in Berlin. War sie doch zwei Jahren stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amtes und ist jetzt im Senat Müller, Staatssekretärin für Bundesangelegenheiten und palästinensischer Herkunft. Mit Moderator Youssef an ihrer Seite folgt ein einstudierter Slam. Eine Art kritischer Rückblick auf das mit Krisen behaftete Jahr 2016.

Staatssekräterin Sawsan Chebli spricht einige Worte auf der Bühne von i,slam

Staatssekräterin Sawsan Chebli spricht einige Worte auf der Bühne von i,slam

Nun soll es aber endlich um die eigentlichen Prominenten des Abends gehen. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Es beginnt mit der Kategorie Visual Arts. Hier darf sich Manual Scrube über den ersten Platz und das Fördergeld in Höhe von 5.000 Euro freuen. Apropos Höhe: Manuel sorgt unwillentlich für einen weiteren Lacher im Publikum. Ist er doch knappe zwei Meter groß und das auf Moderator Youssef eingestellte Standmikrofon nur gerade gefühlte 1,60 Meter hoch. Aber gekonnt bedankt er sich bei den Organisatoren und bei der Jury.

Moderatorin Leila präsentiert Künstlerinnen und Künstler beim i,Slam

Moderatorin Leila präsentiert Künstlerinnen und Künstler beim i,Slam

Die nächste Kategorie an diesem Abend heißt Video. Hier gewinnt Hatice mit einem selbstgedrehten Film, der Identität und die Suche danach thematisiert. Gerade in einem Land, in dem man sich als Muslim oder Muslima oft fremd fühlt, obwohl es das Geburtsland ist. In ihrer kleinen Dankesrede bringt sie den Sinn dieser Veranstaltung gekonnt auf den Punkt: „Es wird Zeit, Menschen als Menschen wahrzunehmen, ob mit Kopftuch oder ohne, schwarz oder weiß.

Eine 15-minütige Pause Unterbricht die Show und ich fange die zweite Moderatorin Leila für ein schnelles Interview ab. Hört rein:

Nach der Pause geht es musikalisch weiter mit der Kategorie Musik. Ich freue mich, denn alle finalen drei Wettbewerber performen heute live. Nach den drei Auftritten ist richtig Stimmung hier im Kongress-Zentrum. Viel Applaus – besonders für den Gewinner Isa-Christian Amuri, der seinen gesellschaftskritischen Rap-Song a capella vorträgt.

Die Veranstaltung neigt sich dem Ende entgegen. Es folgt der letzte Preis, in der von Leila und Youssef anmoderierten „Königsdisziplin“ des Wettbewerbs: Literatur. Mit Poetrys startete das Projekt i,Slam vor über fünf Jahren – und heute endet der Abend damit. Ein gelungener Bogen.

And the award goes to … Amira Zarari, die seit 2012 auf der Bühne ihre Gedichte vorträgt. Sie überzeugte die Jury, sowie alle hier im Publikum. Nach diesem Vortrag kann ich nur erahnen wie schwer es oft sein muss, im Alltag mit Kopftuch akzeptiert zu werden. Es regt zum Nachdenken an. Dazu habe ich jetzt Zeit, denn damit endet dieser Abend. Ja, es hat mich ein wenig an die bekannten Oscars aus Hollywood erinnert. Verdient hat es dieser so wichtige Award auf jeden Fall. Mit genau so viel Engagement muss es mit i,Slam weitergehen. Ich klappe den Laptop zu und gehe raus durch die Tür in die kalte Berliner Nacht auf den Pariser Platz. Blick nach links gen Brandenburger Tor. Es weihnachtet in unserer Hauptstadt und ich habe wieder Hoffnung, dass wir hier auf diesem Planeten doch noch irgendwann, alle friedlich miteinander leben können. Aber nur wenn wir Menschen, wie zum Beispiel Leila, weiter hart dafür kämpfen und immer mehr werden. Tschüß Berlin.

Text: Marvin Jäger

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