Wie funktioniert nachhaltiges Nachtleben? Das Future Party Lab von Clubtopia

Feb 21, 2020
Das Future Party Lab von Clubtopia

Wenn man an seine Umweltsünden denkt, hat man meistens sowas wie Fliegen, Fast Fashion oder Fleischkonsum im Sinn. Aber auch beim Feiern gehen verbrauchen wir überdurchschnittlich viele Ressourcen. Mit der Frage, wie man Nachtleben nachhaltiger gestalten kann, beschäftigt sich das Future Party Lab von Clubtopia.

Clubtopia ist ein Projekt vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und dem clubliebe e.V., mit dem Ziel, die Clubszene in Berlin klimafreundlich und nachhaltig zu gestalten. Dafür bringt Cluptopia beim Future Party Lab Menschen zusammen, die sich sowohl mit dem Nachtleben der Stadt als auch mit Nachhaltigkeit auskennen, organisiert runde Tische für grüne Clubkultur und bietet mit dem Green Club Guide erste Handlungsempfehlungen für Clubbetreiber*innen. Für dieses Engagement wurde das Projekt letztes Jahr bereits mit dem Preis für Nachhaltigkeit der „Listen to Berlin Awards“ ausgezeichnet.

Auch 2020 geht’s weiter: Aktuell entwickelt das Team zusammen mit Interessierten in Future Party Labs Ideen, wie das Nachtleben grüner gestaltet werden kann – so auch letzten Mittwoch im SchwuZ in Neukölln.

Damit nachhaltiges Feiern keine Utopie bleibt: Das Future Party Lab

In dem Innovationslabor gab es neben Workshops, Talks und Think Tanks hauptsächlich eins: Menschen mit jeder Menge kreativer Ideen.

Dabei wurde in alle Richtungen gedacht: Von nachhaltiger Logistik über klimafreundliche Werbung bis hin zur Wasseraufbereitung für Partylocations – der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Auch auf den ersten Blick unkonventionelle Lösungen standen zur Diskussion: Warum nicht im Bereich Mobilität anfangen und eine kleinere Bar mit geliehenen Lastenrädern beliefern? Inwiefern ist es technisch möglich und finanziell rentabel, Regen- und Brauchwasser im Clubbetrieb zu nutzen? Bei welchen Veranstaltungen lohnt sich die Installation oder Miete von Solaranlagen zur Gewinnung grüner Energie?

Workshop
In den Workshops beim Future Party Lab werden Ideen gesammelt

Inwiefern solche alternativen Ansätze im Cluballtag umsetzbar sind, diskutierten die Teilnehmenden des Future Party Labs in den jeweiligen Fokuslaboren. Eines wurde schnell klar: Anwendbare Lösungen zu finden ist ein Prozess, der das Verwerfen von Ideen genauso beinhaltet wie eine offene Diskussion und das Austauschen von Erfahrungen. Hier setzt auch Clubtopia wieder an und steht Clubbetreiber*innen mit Informationen über Fördergelder zu verschiedenen Projekten beratend zur Seite.

Future Party Ideenwettbewerb: Eure Entwürfe zu nachhaltiger Clubkultur

Laut Clubtopia verbraucht ein durchschnittlicher Club in Berlin etwa 1.600 kg CO2 an einem Wochenende. Zum Vergleich: Das ist ungefähr so viel, wie ein Flug nach Marokko und zurück –  klingt erst einmal ganz schön einschüchternd.

Um Feiern gehen in der Zukunft etwas grüner zu gestalten, startet am 01. März der Future Party Ideenwettbewerb von Clubtopia. Bei dem Wettbewerb geht es darum, innovative, klimafreundliche und nachhaltige Lösungen für die Clubszene zu finden und so längerfristig die CO2-Bilanz des Nachtlebens zu verbessern. Bis zum 31. Mai können alle Interessierten ihr Konzept in den Kategorien „Unternehmen“, „Initiativen“ und „Leuchtturmprojekte“ einreichen. Eine Jury bewertet diese Beiträge und gibt Feedback. Ziel dabei ist es, einige dieser Ideen dann auch konkret umzusetzen. Zwei Gewinnerideen werden mit einer Crowdfunding-Beratung und weiteren Workshops durch Clubtopia unterstützt.

Im Juni findet dann in der ALEX-Halle eine feierliche Preisverleihung statt, bei der die tollsten Ideen dem Publikum vorgestellt werden. Klingt, als solltet ihr dabei sein? Dann schaut doch mal online beim Future Party Ideenwettbewerb vorbei und lasst die Welt an eurem Geistesblitz teilhaben!

Interview mit Konstanze Meyer von Clubtopia

Wer noch etwas Inspiration braucht: Wir haben beim Future Party Lab mit Konstanze von Clubtopia gesprochen, die uns verraten hat, was es mit der Nachhaltigkeit im Nachtleben so auf sich hat.

Hey Konstanze! Wie hat das bei euch angefangen, dass ihr euer Feiern gehen unter Nachhaltigkeits-Aspekten hinterfragt habt?

K: Eigentlich war es für uns auch immer so ein bisschen der Wunsch, die Begeisterung für Kulturveranstaltungen zusammen zu bringen mit diesem Gedanken, dass man auch nachts sein gutes Gewissen nicht abgeben muss an der Garderobe.

Dass man sich halt denkt: Hey, ich bin hier gerne, ich möchte aber auch, dass das ein Raum ist, wo ich mich wohlfühle. Wo ich vielleicht auch weiß, hier wird Energie gespart, hier wird sich Gedanken gemacht über die CO2 Bilanz und trotzdem ist die Musik genauso laut, genauso toll und man hat Spaß. Für uns war einfach der Wunsch zusammenzubringen, dass man nach dem Feiern eben doch noch an morgen denkt.

eine junge Frau in einem Club
Kennt sich aus mit Nachhaltigkeit: Konstanze von Clubtopia

Habt ihr ein paar einfache Beispiele dafür, wie sich dieser CO2 Wert beim Feiern beeinflussen lassen könnte?

Viel müssen tatsächlich die Clubbetreibenden umsetzen. Das SchwuZ hier bezieht jetzt Ököstrom, womit die CO2- Bilanz schon richtig gut verbessert werden konnte. Du als Clubgast kannst natürlich zum Beispiel ein umweltfreundliches Verkehrsmittel wählen, um in den Club zu kommen, also Öffentliche oder Fahrrad oder zu Fuß kommen. Und du kannst natürlich auch darauf achten, dass du auf dem Weg zum Club kein Müll hinterlässt und dich auch vor dem Club dementsprechend verhälst und keinen Müll oder Kippen auf den Boden schmeißt. Gerade bei Zigaretten ist es besonders schlimm, weil die Giftstoffe dann irgendwann im Wasser landen. Darüber hinaus kann man noch eine ganze Menge machen, von Abfallvermeidung bis hin zu Energiespartechniken.

Ihr bietet auch Energieberatungen für Clubbesitzer*innen an. Wie genau läuft das dann ab, wenn sich jemand da an euch wendet?

Dann kommen wir tatsächlich erstmal vorbei und fangen an die ganzen Details aufzunehmen. Also zum Beispiel: Was für Kühlschränke sind da? Welche Leuchtmittel werden benutzt? Welcher Stromanbieter wird genutzt? Wie ist das Verhalten der Mitarbeitenden? Denn auch mit kleinen Verhaltensänderungen kann man beispielsweise sehr viel für die Umwelt tun, das muss nicht unbedingt teuer sein.

Dann machen wir erst einmal eine Bilanz und schauen, was der Club aktuell verbraucht, wie seine CO2-Bilanz aussieht. Anschließend empfehlen wir dann Maßnahmen, wie es besser gehen kann. Also wie man mit ein bisschen Geld oder auch ein bisschen mehr Sachen umsetzen kann, um die CO2-Bilanz des Clubs zu verbessern. Am Ende ist der Clubbetreibende dran und muss Sachen umsetzen und wir unterstützen dabei und beraten.

Danke Konstanze!

Übrigens: Clubtopia wird durch die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz gefördert. Mehr Infos zum Projekt und den kommenden Veranstaltungen findet ihr auf der Clubtopia Website.  

Text & Bilder: Elisa Slaby

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