Die neun coolsten Orte der Langen Nacht der Museen 2018

Aug 24, 2018
Die Treppen des Alten Museum © Sergej Horovitz

Während der Langen Nacht der Museen locken Berlins Kulturstätten bis zwei Uhr Nachts mit Sonderausstellungen und Spezialführungen. Wir haben die besten Museen für euch herausgesucht.

Für Freund*innen des Flanierens durch die Berliner Museumslandschaft verwandelt sich die Kulturmetropole am Wochenende zum Schlaraffenland. Am 25.08.2018 findet zum 38. Mal die Lange Nach der Museen statt: Ein Berliner Original, das seit 1997 selbst den härtesten Kulturbanaus*innen beweist, dass Museen alles andere sind als öde Räume mit verstaubten Reliquien. Die Langen Nacht der Museen, veranstaltet von Kulturprojekte Berlin, wartet mit einem riesigen und vielfältigen Programm mit knapp 800 Einzelveranstaltungen in 80 Spielstätten in ganz Berlin auf. Vom Westend bis zum Wasserwerk in Friedrichshagen kann man durch die Zeitgeschichte reisen, angefangen mit 4000 Jahre alten Stücken aus dem heutigen Turkmenistan in der Ausstellung „Margiana“ im Neuen Museeum, bis den anarchistischen Berliner Neunzigern mit Raves, Freiräumen, Hausbesetzungen und Love Parades in der neuen multimedialen Ausstellung nineties berlin in der alten Münze. Es gibt Musik, es gibt Tanz, es gibt Kampfkunst und um sich die Kulturen verschiedener Länder auf der Zunge zergehen zu lassen auch einen Streetfoodmarket. Im Ticketpreis inbegriffen sind nicht nur alle Museen sondern auch der ÖPNV und die von der LNdM eingerichteten Shuttles. Für diejenigen, die jetzt schon überfordert sind mit der Programmvielfalt und noch gar nicht wissen, wo sie hinfahren sollen, haben wir ein paar Highlights zusammengetragen:

1. Der große Auftakt: Die Lange Nacht der Museen im Lustgarten

Um 18.00 Uhr geht es mit einer Eröffnungsrede des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller und einem Konzert der DrumLine-Gruppe BÄM! im Lustgarten am Alten Museum los. Dort wird es neben zentralen Infoständen und Ticketcountern auch die Streetfoodstände mit kleinen Snacks und köstlichen Besonderheiten geben. Über die Berliner Streetfoodszene sagt Sternekoch Tim Raue sie sei „die aufregendste im ganzen Land“. Für kulinarische und musikalische Feinschmecker*innen ist der Lustgarten also schon mal die richtige Adresse. Um 23.00 Uhr wird zum Abschluss die KCRW-Radio-DJ Phoebe Killdeer auflegen.

2. Die Treppen, die die Welt bedeuten

Das zentrale Thema der diesjährigen langen Nacht der Museen ist „Treppen“. Ein übergeordnetes, verbindendes Element, das vielen Museen gemein ist und nun auch als besonderer Ausstellungs- und Bühnenraum genutzt werden soll. Ein ganz besonderes Highlight ist dabei natürlich die Performance der weltberühmten Breakdancer*innen der Flying Steps, die eine einzigartige Show abliefern in der großen Treppenhalle des Neuen Museeums auf der beeindruckenden Treppe von David Chipperfields der von Friedrich August Stüler nachempfunden. Auch in der Halle der Berlinischen Galerie wirken die sachlichen Treppen eingefasst in den neutralen, hellen Raum wie eine starre Skulptur. Zum Leben erweckt wird auch sie durch Tanz. Nach einer Choreografie von An Boekmann tanz sich die Gruppe durch verschiedene Genres von Hip-Hop bis Lateinamerikanischem Tanz.

Nur bei Lange Nacht der Museen: Nach einer Choreografie von An Boekmann werden die Treppen der Berlinischen Galerie betanzt. © Nina Straßgütl

Nur bei Lange Nacht der Museen: Nach einer Choreografie von An Boekmann werden die Treppen der Berlinischen Galerie betanzt. © Nina Straßgütl

Für die Besucher*innen, die gerne auf Erkundungstour gehen, ist eine Treppenführung durch das Schloss Charlottenburg wärmstens ans Herz zu legen. Vier Mal an diesem Abend wird man vom Schlossleiter Rudolf G. Scharmann persönlich durch die Prunktreppenhäusern und Dienerstiege geleitet. Sogar durch die geheimen Treppenaufgänge, die der König nutzte, um seine Mätressen zu treffen, wird man hier geführt.

3. Spionage, Kalter Krieg, und DDR – Geschichte lebendig gemacht.

Entdecker*innen und Abenteurer*innen sollten sich auch das Spionagemuseum nicht entgehen lassen. In einem actiongeladenen Laserparcour (den man sogar mit einer Wärmebildkamera aufzeichnen kann), kann man in die Rolle knallharter Agenten schlüpfen und in Workshops Verschlüsselungstechniken lernen. Auch die „Unterleuten“-Autorin Juli Zeh würde neben einem Besuch im Technikmuseum das Spionage Museum empfehlen.

Der Laserparcour im Spionagemuseum © Oana Popa

Der Laserparcour im Spionagemuseum © Oana Popa

Am Checkpoint Charlie wird mit BlackBox Kalter Krieg in einer spannenden Ausstellung mit 16 Medienstationen, einem kleinen Kino und verschiedensten Dokumenten und Originalobjekten die Geschichte um die angespannte Epoche des Kalten Krieges erzählt. Vom Endes des ersten Weltkrieges, über den Ost-West-Konflikt zwischen der Sowietunion und den USA, dem zum Korea-Krieg und der Kuba-Krise bis hin zum Bau- und Fall der Mauer. Eine spannende, multimediale Zusammenfassung der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Auch Komikerin Idyl Baydar empfiehlt den Checkpoint Charlie für einen Zwischenstopp auf der Tour: „[D]amit die Menschen hier die Möglichkeit haben, ein Verhältnis zu ihrer eigenen Geschichte und der ihrer Eltern zu entwickeln. Das ist es ja, was eine Institution wie das Museum ausmacht: Hier gibt es den Raum, sich in Geschichten einzufühlen.“

Um sich ein Bild von der politischen Unterdrückung Oppositioneller innerhalb der DDR machen zu können, sollte die Gedenkstätte Hohenschönhausen besucht werden, in der zahlreiche Sonderführungen von ehemaligen Inhaftierten durch die Zellen, das Krankenhaus oder die riesigen Kelleranlagen angeboten werden.

Die Räumen der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen. © Arthur Schmidt.

Die Räumen der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen. © Arthur Schmidt.

 4. Friede, Freude, Eierkuchen – Berlin in den 90ern

Als die Mauer fällt, die DDR mit einem Schlag der Vergangenheit angehört und im Osten Berlins riesige Freiräume entstehen, für die sich weder Politik noch Verwaltung interessieren, bricht in Berlin der Partyhedonismus aus. Da werden ein paar Bierkästen, eine Anlage, zwei Turnies und ein Mixer in eine muffige Lagerhalle geschleppt und plötzlich tanzt die Welt zu Techno. In zwei besonderen Ausstellungen kann man sich auf die Spuren von Dr. Motte und dem bunten Jahrzehnt voller schöner und skurriler Trends begeben. Im Hof des Museums für Kommunikation legen zur Silent Disko Dr. Motte und Eva Be ihre besten Platten auf. Darüber hinaus werden Workshops angeboten, in denen man olle Klamotten in schillernde neunziger Outfits upcyclen kann und ein handverlesenes Mixtape des Love-Parade-Erfinders (tatsächlich in Form einer Kassette) kann man dort ebenfalls erwerben.

In der Alten Münze lädt die multimediale Ausstellung nineties berlin dazu ein, sich in die neunziger zurückzuversetzen. Berliner Persönlichkeiten wie Gregor Gysi, Danielle de Piciotto oder Westbam erzählen von ihren persönlichen Erfahrungen aus den Neunzigern: Vom Mauerfall, von Anarchie, von Freiheit, von Underground, von Kunst und Subkultur.

 5. Zum ersten Mal dabei: Urban Nation Museum  

„Wir wollen das Lebende Museum sein“, sagt Yasha Young, Museumsdirektorin des relativ neuen Berliner Museums Urban Nation. Die Besucher*innen können dort selbst mit den illuminierten Treppen und dem Gedicht, das auf ihnen geschrieben steht spielen und eine eigene Soundinstallation entwickeln. Je nachdem auf welche Stufe man tritt, wird ein von verschiedenen Künstler*innen erzeugter Klang gespielt und aufgezeichnet, so dass jede*r Besucher*in ein ganz eigenes Werk schaffen kann.

Die Fassade des Urban Nation bemalt vom niederländischen Künstler Super A. © Nika Kramer

6. Nachts im Naturkundemuseum  

Ein Muss für jeden Familienausflug ist zweifelsohne das größte Museum für Naturkunde in Deutschland. Bei zahlreichen Sonderevents zum Mitmachen rund um Mineralien, Insekten oder  lebende Fossilien kann man spannendes Wissen um Naturkunde erleben. Große und kleine Dinofans kommen beim Miksoskopieren von Saurierkot voll auf ihre Kosten. Auch hier werden Sonderführungen und spannende Talks über die Tiefsee oder unsere Ernährung angeboten.

 7. Barrierefreie Führungen 

Sowohl für Hörgeschädigte aus auch für Blinde und Sehbehinderte gibt es in der Langen Nacht der Museen Einiges zu entdecken: Im Deutschen Historischen Museum findet eine haptische Sonderausstellung über Europa und das Meer statt, die sich an Blinde und Sehbehinderte richtet. In der Berlinischen Galerie gibt es Kunstgespräche in Gebärdensprache. 

 8. Regionale Führungen und Kieztouren 

Wer sich auf seiner Tour bei der Langen Nacht der Museen auf die verschiedenen Berliner Regionen und ihre Entwicklungen fokussieren möchte, sollte sich auf eine der angebotenen Kieztouren begeben, die zwischen eineinhalb und zweieinhalb Stunden dauern. In der Tour durch Charlottenburg werden die Revolten der 68er lebendig, in die 20er wird man auf der Tour durch Tempelhof und Schöneberg versetzt, eine architektonische Führung auf dem Weg durch Prenzlauer Berg nach Lichtenberg und in Neukölln und Kreuzberg lernt man die Entwicklung vom den Brennpunktbezirken zu den Gentrifizierungshochburgen kennen.

Mit alten Bussen durch die Lange Nacht der Museen. © Oana Popa

Mit alten Bussen durch die Lange Nacht der Museen. © Oana Popa

9. „Einstiegsdroge Cannabis“ und andere Treppenwitze – Das Hanfmuseum

Schon unsere Vorfahren wussten um den großen und vielfältigen Nutzen der Hanfpflanze und dennoch scheint es, als müssten wir Hanf als Nahrung oder seine gesundheitsfördernden Eigenschaften komplett neu erforschen. Setzt man sich mit der Geschichte des Cannabisverbotes im 20. Jahrhundert auseinander, so erscheinen die Gründe laut Hanfmuseum schier grotesk. In einer informativen Präsentation wird über die Pflanze aufgeklärt. Der Präventionsfilm von 1936 (keine Satire) bietet allerdings wahrscheinlich mehr Entertainment als Info. 

 

Am 11.09.2018 um 19.00 Uhr zeigt uns VJ Esra Karakaya ihre persönlichen Higlights aus dem Hanfmuseum, dem Urban Nation und der Ausstellung BlackBox Kalter Krieg im ALEX Feature bei ALEX Berlin . Stay tuned

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