berlinHistory App lässt verschwundene Clublandschaft wieder aufleben

Das Berghain kennt jede:r. Aber kennt ihr auch die vielen legendären Berliner Clubs, die schon vor langer Zeit ihre Türen schließen mussten? Mit der berlinHistory App kann man nun auch diese entdecken.

Das Berliner Nachtleben ist nicht nur über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und Clubs wie das Berghain lösen ganz von selbst alle möglichen Assoziationen aus. Hier feiern zu gehen steht bei Tourist:innen oft noch weiter oben auf der Bucket List als eine Führung durch den Bundestag oder vielleicht sogar das eigentlich obligatorische Selfie vor dem Brandenburger Tor. Woher kommt der Ruf der Stadt eigentlich?

Die kulturelle Bedeutung der Clubszene

Die Clubszene bietet seit Jahrzehnten Safe Spaces für Nischen und Subkulturen am Rande der Gesellschaft. So zieht es Menschen verschiedenster couleur nach Berlin – Misfits, Künstler:innen, Intellektuelle, Pop Ikonen. David Bowie hat zum Beispiel in den 1970ern viel Zeit im Chez Romy Haag verbracht, Iggy Pop und Michel Foucault konnte man gelegentlich im Dschungel antreffen und Nick Cave ist ab und zu im Ex’n’Pop versackt.

Klingt so als wären die Clubs einen Besuch wert? Leider kann man sie heute nicht mehr selbst erleben, da es sich nicht mehr gibt. So wie mehrere hunderte andere Locations, die im Laufe der Zeit ihre Türen schließen mussten. Ein Phänomen, das als Clubsterben bekannt ist. Die Gründe für die Schließungen sind vielseitig und zeigen die strukturellen Probleme, denen sich Clubbetreiber:innen ausgesetzt sehen: Mieterhöhungen, Konflikte mit Anwohner:innen, Lärmschutzverordnungen und andere Regularien, die über die Jahre immer strenger wurden. Wie all diese Sachen genau zusammenhängen, haben wir im Beitrag Clubsterben in Berlin schon einmal genauer beschrieben.

Das Chez Romy Haag heute

Digitale Erinnerung an vergangene Zeiten durch die berlinHistory App

Um auf diese Problematik aufmerksam zu machen, haben sich die berlinHistory App und die Clubcommission Berlin vor circa einem Jahr zusammengetan und die neue Rubrik Verschwundene Orte der Berliner Clubkultur entwickelt. „Uns war es wichtig Berlin in seiner jüngeren Geschichte zu zeigen: die Entwicklung Clubszene, die Vielseitigkeit der Szene und an Orte zu erinnern, die Berlin geprägt haben. Auf der politischen Ebene war es uns wichtig, zu zeigen, was durch Stadtentwicklung und Gentrifizierung verloren gegangen ist.“, erklärt Daniel Jakobson von der Clubcommission Berlin.

Bei der Auswahl der Clubs sei vor allem darauf geachtet worden, die Brandbreite der Berliner Clublandschaft zu zeigen. Neben den klassischen Clubs, die hauptsächlich elektronisch Musik spielen, solle auch die interdisziplinäre Seite der Clubkultur betont werden, so Jakobson. „Berliner Clubs sind vielseitig und haben verschiedene Dimensionen. Sie sind sowohl ein wirtschaftlicher Faktor für die Stadt als auch sozial von großer Bedeutung, weil sie von Menschen geprägt und gestaltet werden. Sie werden nicht nur für Partys genutzt, sondern sind genauso Veranstaltungsorte für Lesungen, Theateraufführungen, Opern und Ähnliches.“ Die Clublandschaft ist ein fester Bestandteil der Berliner Kultur, denn an ihr kann man die Stadtgeschichte genauso ablesen, wie in Museen. „Geschichte ist nicht nur Museen zu finden, sondern auch Untergrundkultur und die Geschichte der einzelnen Menschen. Alle Aspekte der Geschichte sollen sichtbar gemacht werden – dazu gehören auch Subkulturen.“, erklärt Oliver Brentzel von berlinHistory e.V.

Den eigenen Kiez neu kennenlernen

Anhand der App kann man zum Beispiel nachverfolgen, welche Clubs in der Nähe früher einmal existiert haben und sich über ihre Geschichte informieren. Sie ist also nicht nur für feierwütige Touris geeignet, sondern auch Locals können von ihr profitieren und die Geschichte der eigenen unmittelbaren Nachbarschaft besser kennenlernen. Daniel Jakobson beschreibt die Erfahrung von Nutzer:innen so: „Viele Leute finden Orte, die sie mit Erinnerungen verbinden: an die eigenen jüngeren Jahren oder an Erzählungen, die sie mit den jeweiligen Clubs verbinden. Das ist ein wichtiger Punkt: Wie hat Berlin vor 10 oder 20 Jahren getickt? Durch die eigene Nachbarschaft zu laufen und zu schauen: Was gab es da bei mir um die Ecke? Man kann sich mit der Geschichte des eigenen Kiezes auseinandersetzten.“

Bisher umfasst die App rund 80 verschwundene Locations, wird aber stetig mit Unterstützung der Nutzer:innen ergänzt und weiterentwickelt. Wir haben uns zwei Clubs herausgesucht, um die App selbst in der Praxis zu testen. Das Ergebnis könnt ihr euch in unserem Reel anschauen.

Die berlinHistory App ist kostenfrei im App-Store eurer Wahl zu finden. 

 

Zurück

Empfohlen