10 Jahre Dichtungsring – Eine Lesebühne in Altersteilzeit

Mrz 12, 2021
vier Menschen auf einer Bühne

Die Lyric-Lesebühne „Dichtungsring“ ist anlässlich ihres 10-Jährigen Jubiläums zu Gast in der ALEX-Halle. Es gibt Musik, Gedichte, Kurzgeschichten und natürlich zur Feier des Tages auch ein bisschen groben und feinen Unsinn! Gründer Arno Wilhem erzählt für unseren Blog von der Entstehung der Lesebühne.

Es fing mit den Gedichten an. Im Herbst und Winter 2010 zu 2011 trat ich, Arno Wilhelm, immer wieder mit meinen neuesten oder liebsten Texten auf großen und kleinen Poetry Slams in Berlin auf. Manchmal erfolgreich, manchmal weniger. Meistens las ich dabei von mir geschriebene Gedichte vor, ab und zu auch Kurzgeschichten. Und mir kam mit der Zeit der Gedanke, dass lustige Kurzgeschichten auf den Slams oft besser ins Format passen.

Nicht der originellste Gedanke zu der Zeit, so viel muss man zugeben, aber er kam immer mal wieder. Eines Abends sagte ich meiner Freundin bei einem gemeinsamen Spaziergang an der Bornholmer Brücke, man müsste mehr Zeit für Gedichte haben. Mehr Ruhe dafür und ohne Wettbewerb. Sowas wie eine eigene Lesebühne, bei der es aber nur Gedichte und Musik gäbe. Eine Lyrik-Lesebühne. Den genauen Wortlaut ihrer Antwort weiß ich nicht mehr, aber inhaltlich lässt es sich mit „dann mach das doch“ zusammenfassen.

ein Mann liest aus einem Buch
Dichtungsring-Gründer Arno Wilhelm bezeichnet sich selbst als Vorleser.

Vom Slam zur Lyric-Lesebühne im Laika

Ein guter Rat, aus heutiger Sicht. Matthias Niklas gehörte damals zu den Veranstaltern des sogenannten dicht.it-Slams im Laika in Neukölln, bei dem ich auch immer gerne auf der kleinen Bühne des verrauchten Nebenzimmers im Laika stand. Da er auch Texte schrieb und wir gute Freunde waren fragte ich ihn zum einen nach Ideen für mögliche Veranstaltungsorte und bat ihn zum anderen, mitzumachen. Er schlug prompt das Laika vor, stellte den Kontakt her und stimmte wunderbarerweise auch zu, Teil der Lesebühne zu werden.

Eine Anfrage beim Laika und etwas Vorbereitung (und aus jetziger Perspektive ehrlich gesagt furchtbar hässliche Flyer) später fand im Februar 2011 der erste Dichtungsring statt. Mit Gedichten, tollen Gästen und Musik. Und da war Publikum. Und das kam zu unserem großen Glück immer wieder. Mittlerweile mehr als fünfzig Mal. Im Punkt Moderation musste ich da noch viel sehr viel mehr üben und wir haben schnell gelernt auf der Bühne nicht ganz so viel zu trinken, um die Contenance wahren zu können und dazu ein Rauchverbot während der Veranstaltung eingeführt, um unsere Lungen und Stimmen zu schonen. Aber es hat von Beginn an viel Freude gemacht und mir oft für Tage nach der eigentlichen Veranstaltung ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Dichtungsring goes TV bei ALEX Berlin

Das mit ausschließlich vorgetragenen Gedichten wurde mit der Zeit weniger, genau genommen. Besetzung, Gäste und Musiker haben über die Jahre gewechselt. Und wir haben immer weitergemacht. Alle zwei Monate minus Sommerpause. Bis zum Februar 2020, unserem neunten Geburtstag. Danach war coronabedingt Pause. Seither stand ich auf keiner Bühne, alle Auftritte fielen nach und nach aus. Umso mehr freuten wir uns, am 11.3. im Studio von ALEX Berlin unseren zehnten Geburtstag feiern zu können.

Es lesen Sascha Delitzscher, Theresa Rath und als die Urgesteine dieser Lesebühne selbstnatürlich auch Matthias Niklas und Arno Wilhelm.

Wir waren vorher sehr aufgeregt aber das Team von ALEX Berlin hat uns super vorbereitet und es hat uns einen riesen Spaß gemacht. Vieles war ungewohnt aber die Stimmung und die Publikumskommentare haben es sehr schön abgerundet. Auf die nächsten zehn Jahre Dichtungsring!

Text: Arno Wilhelm, Bilder: Lisa Slaby

Ihr wollt mehr Kultur? Klickt euch in unseren Blogbeitrag zu „Bärenstark meets Berlinale Talents“ wo Nachwuchsjournalistinnnen und Filmschaffende über die Filme der Berlinale Talents 2021 sprechen.

Comments

Comments are closed.